PersonenProjekttitel
Alexis Hofmeister

Selbst Geschichte schreiben. Jüdische autobiographische Praxis in den Imperien des östlichen Europa.

Bianca HoenigFlüssiges Gold für die Welt. Eine Globalgeschichte des Pilsner Bieres / Liquid Gold for the World. A Global History of Pilsner Beer.
Boris BelgeUmschlagorte. Eine russische Wirtschafts- und Sozialgeschichte von Häfen und Märkten vom 17. bis ins 19. Jahrhundert.
Charlotte HenzeThe vital encounters among Russians, Finns, Swedes and Germans in the Russian Empire's Finnish borderland over the course of the 18th century

Personen

Projekttitel

Thomas Bürgisser

Schweizerische Perspektiven auf das sozialistische Jugoslawien. Beziehungsgeschichte zweier Sonderfälle des Kalten Krieges 1944-1990

Ivo Mijnssen

Life in the Hero City: the Post-War Generation in the Brezhnev Era

Jörn Happel

Die Sowjetunion erklären. Gustav Hilger im deutsch-sowjetischen Jahrhundert

Bianca Hoenig

Geteilte Berge. Eine Konfliktgeschichte der Naturnutzung in der Tatra

DatumVeranstaltungsortKonferenztitel
13.-15. September 2017Kaiseraugst, Landgut Kastellen (Basel)

Russia 1917 and the Dissolution of the Old Order in Europe. Biographical Itineraries, Individual Experiences, Autobiographical Reflections.

3.-4. Juli 2017Basel, Alte Universität am RheinsprungWorkshop Historische Museumanalyse - Die Museen der ehemaligen Sowjetunion
3.-6. September  2015Hotel "Schloss Münchenwiler" (near Bern, Switzerland)Sites of Memory of Socialism and Communism in Europe 
27.-29. August 2014Kaiseraugst, Landgut Castelen (Basel)Picturing Empires – Photography and Social Change in Nineteenth Century Multiethnic Environments. Internationale Workshop-Konferenz
20.-22. Juli 2014Ludwig-Maximilians-Universität MünchenImperial Experts and Their Autobiographical Practices in Russia, Austria-Hungary and the Ottoman Empire
6.-7. Februar 2014Historisches Seminar der Universität ZürichAnalysing Visual Representations of War: Examples from Russia and Yugoslavia. International Exploratory Workshop
6.-8. Juni 2013Universität Basel, KollegienhausInternationale Tagung: Autobiographische Praxis und Imperienforschung
01.-02. Februar 2013Universität BaselZwischen Nation und Weltöffentlichkeit: Auslandskorrespondenten 1890 bis 1990. Workshop
7. Dezember 2012Universität BaselRussland in Bildern: Photographiegeschichte vom Zarenreich bis zur Sowjetunion. Internationaler Workshop am
22.-24. November 2012Universität BaselKrieg und Frieden. Internationale Konferenz anlässlich des 100. Jubiläums des Basler Friedenskongresses
19.-20. Oktober 2012Universität BaselEden für jeden. Touristische Sehnsuchtsorte in Mittel- und Osteuropa (vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart): Interdisziplinärer Workshop für Nachwuchsforscher Basel
5.-8. September 2012Europa Universität Viadrina, Frankfurt (Oder)Tagung Infrastrukturnetze und Phantomgrenzen in Ostmitteleuropa
28.-30. März 2012Universität BaselEast European Jews in Switzerland: Immigrants, Transmigrants and Sojourners 
28.-30. Oktober 2011

Universität Basel

1861 as a Russian and Soviet «Lieu de mémoire». Narrating and Commemorating the Abolition of Serfdom 

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Es ist ein besonderes Glück, dass eine so umfangreiche Postkartensammlung wie die der russischen Familie Radzievsky den Weg in den Besitz des Lehrstuhls für Osteuropäische Geschichte der Universität Basel gefunden hat.

Vera Radzievska suchte und kaufte die alten Postkarten über viele Jahre hinweg auf unterschiedlichen Moskauer Flohmärkten. Zusammen mit ihrem in Paris lebenden Sohn, Pavel Radzievsky, hegte sie ein reges Interesse an alten Büchern und historischen Gegenständen. Die Postkartenraritäten, so ihr gemeinsamer langjähriger Wunsch, sollten einst die Grundlage für eine Ausstellung bilden. Pavel Radzievsky war vermutlich Anfang der 1980er Jahre aus Moskau nach Frankreich emigriert und liess sich in Paris als Antiquar nieder. Er kaufte Bücher von russischen Emigranten auf, zum Teil Erstausgaben und Raritäten, die im Exil in Berlin, Prag oder Paris erschienen waren. Gleichzeitig versorgte ihn seine Mutter regelmässig mit antiquarischen Buchlieferungen aus Russland. Hierüber entstand schliesslich die enge Verbindung der Radzievskys zur Basler Universitätsbibliothek: Erstmals trat der Antiquar im Jahre 1986 aufgrund der weit über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannten Sammlung des Basler Theologen Fritz Lieb an die Universitätsbibliothek heran und bot ihr in Ergänzung zum Basler Marina Zwetajewa-Archiv drei Erstausgaben mit Autographen der Autorin an. In den darauffolgenden Jahren kam es immer wieder zu wertvollen Bücherankäufen durch die Bibliothek. Nach Pavels frühem Tod Mitte der 1990er Jahre war es seine mittlerweile aus Russland emigrierte Mutter, die die Reisen nach Basel unternahm. Anlässlich ihres letzten Besuchs 1998/99 schenkte sie Dr. Helena Kanyar-Becker, die als Fachreferentin für Slavistik in der Universitätsbibliothek über Jahrzehnte für die Aufkäufe der antiquarischen Bücher zuständig war, ihre wertvolle Postkartensammlung, in der Hoffnung, dass sie einmal Gegenstand einer Ausstellung werden würde.

Frau Kanyar-Becker gab diese Sammlung von insgesamt 409 Einzelstücken an den Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte weiter. Vom 12. Dezember 2009 bis zum 26. März 2010 wurde die Ausstellung „Liebe Grüsse aus Moskau. Eine Postkarten-Reise ins Zarenreich“ dann schliesslich innerhalb der Räume der Universitätsbibliothek Basel realisiert. Sie wurde unter der Leitung Professor Heiko Haumanns und dem damals als Kuratoren fungierenden Assistenten Jörn Happel unter Mitarbeit von Lehrstuhlmitgliedern und einigen Studierenden erarbeitet. Der Erfolg der Ausstellung war so groß, dass sie daraufhin auf Wanderschaft ging und ebenfalls in Astano (Tessin) und in Kiel gezeigt wurde.

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Am 9. April 2017 wurde zum ersten Mal überhaupt eine Kooperations-Veranstaltung der Lehrstühle für Osteuropäische Geschichte der Universitäten Basel, Bern und Zürich durchgeführt. Anlässlich des 100. Jahrestages der Abfahrt des sogenannten „Lenin-Zuges“ von Zürich nach Petrograd wurde am 9. April 2017 in Zürich in verschiedenen Formaten ein öffentlicher Dialog über Geschichte geführt.

Interessierte Personen waren eingeladen, an den Kurzvorträgen der LehrstuhlinhaberInnen teilzunehmen und sich in der anschliessenden Diskussionsrunde einzubringen. Das Publikum interessierte besonders die Frage, wie die Geschichte in Russland und Europa verlaufen wäre, wenn Lenin am 9. April 1917 nicht in Zürich den Zug nach Petrograd bestiegen hätte. Des Weiteren fand ein ebenfalls sehr gut besuchtes Podiumsgespräch mit renommierten Historikern aus Russland und Deutschland statt, an dem über aktuelle geschichtspolitische Fragen und die Bedeutung der Russischen Revolution gesprochen wurde. Die Gespräche rückten die Aktualität von historischen Fragen in den Fokus. Unter anderem wurde über die ambivalente Bedeutung der Russischen Revolution zwischen Apokalypse und Utopie diskutiert. Ein Ensemble des Berner StudentInnen Theaters inszenierte im Landesmuseum eindrücklich Zeitdokumente wie Erinnerungstexte von Mitreisenden und verschiedene literarische Verarbeitungen der Zugfahrt. An den Veranstaltungen, die in den Räumlichkeiten des Landesmuseums stattfanden, nahmen insgesamt über 450 Personen teil. 

Den Höhepunkt des Tages bildete die Uraufführung des Stücks „Zürich – Petrograd einfach“ des Ensembles Thorgevsky & Wiener. Die Darbietung fand in einem historischen Zug statt, der die Schweizer Strecke (Zürich-Schaffhausen) von Lenins Reise abfuhr. Für eine knappe Stunde war der Zürcher Hauptbahnhof eingenommen vom Geist der Revolution: Nicht nur die Anzeigetafel verwies auf den Extrazug, PassagierInnen und PassantInnen wurden auch per Lautsprecher-Durchsage darauf aufmerksam gemacht. Bereits um 15.05 Uhr konnten die über 300 versammelten Mitreisenden sowie zahlreiche weitere Interessierte auf Perron 8 einer „Rede Lenins“ beiwohnen – im Hintergrund die Dampflokomotive mit Jahrgang 1904 inklusive historischem Rollmaterial. Um 15.29 schliesslich setzte sich der Zug in Bewegung – 100 Jahre nach der Abfahrt des Zuges mit den RevolutionärInnen an Bord. 

Im restlos ausverkauften Zug durften die Passagiere einer einzigartigen Inszenierung der Zugfahrt und ihrer Folgen beiwohnen. Das Theaterstück trug seinen Teil zum multiperspektivischen Veranstaltungstag bei, an dem eine breite Palette an unterschiedlichen Sichtweisen auf die historischen Gegebenheiten Platz fand.