Rhea Rieben

Rhea Rieben


Stiftungsassistenz (Geschichte Osteuropas) (Departement Geschichte)

Büro

Hirschgässlein 21
4051 Basel
Schweiz

Doktorandin BGSH (Departement Geschichte)

Zur Person

Seit Oktober 2018 Projektassistentin an der Professur für Osteuropäische Geschichte, Prof. F. Benjamin Schenk

2017–2018 Startstipendiatin der BGSH

2014–2017 MA in Slavistik und Osteuropäischer Geschichte an der Universität Basel und der HSE Moskau

Masterarbeit bei Prof. Dr. F. Benjamin Schenk zu den Bildstrategien des Schweizerischen Roten Kreuzes und des Schweizer Kinderhilfskomitees während der Hungersnot 1921–23 in Sowjetrussland. "Die Hungersnot im Fokus. Die Bildstrategien des Schweizerischen Roten Kreuzes und des Schweizer Kinderhilfskomitees zur Hungersnot in Russland 1921–1923."

2009–2013 BA in Osteuropa-Studien an der Universität Basel

Forschungsschwerpunkte

  • Moderne Architektur (Russland, Schweiz) - Neues Bauen
  • Beziehungsgeschichte Russland-Schweiz
  • 'Antibolschewismus' / Antikommunismus in der Schweiz
  • Geschichte Russland, 19. und 20. Jh.
  • Sowjetische Geschichte
  • Humanitäre Fotografie

Mitgliedschaften

Osteuropa-Forum Basel

Dissertationsprojekt

Das Politische im Bauen von Hans Schmidt. Architektur und Städtebau im ‘Ost-West’-Spannungsverhältnis schweizerisch-sowjetischer Beziehungen der 1920er bis frühen 1970er Jahre.

Als sich in der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts die politische Dichotomie zwischen dem 'kapitalistischem Westen' und dem 'kommunistischen Osten' ausprägte, waren davon fast alle gesellschaftlichen Bereiche betroffen, so auch die Architektur. Das sozialistisch inspirierte Neue Bauen wurde im 'Westen' zur Projektionsfläche gesellschaftlicher Zukunftsentwürfe, bei Gegnern aber auch zum Anstoss antikommunistischer Ressentiments. Seit Mitte der 1920er Jahre haftete den Bauten dieser neuen Architekturbewegung in der konservativen Wahrnehmung das Stigma des 'Kulturbolschewismus' an. Vertreter des Neuen Bauens wurden von rechten und bürgerlichen Kreisen als 'rote Architekten' bezeichnet – öffentliche Aufträge wurden selten an sie vergeben.

Das Leben und Schaffen des Basler Architekten Hans Schmidt (1893–1972) war von diesem 'Ost-West'-Spannungsverhältnis geprägt, umso mehr, als er in den 1930er Jahren in der Sowjetunion wirkte und sich nach seiner Rückkehr in die Schweiz weiter politisch engagierte. Schmidt prägte den Architektur- und Städtebaudiskurs in der Schweiz der 1920er mit seinen Schriften und Bauten aktiv mit und tat sich nach seiner Rückkehr in die Schweiz als wichtigen (politischen) Akteur hervor. Mittels urbaner räumlicher Gestaltung und neuester Technik strebten die Architekten als Experten die Schaffung einer sozial gerechteren Gesellschaft an, in welcher Wohnraum für alle erschwinglich sein und in der Architektur zu neuen Formen des sozialen Lebens beitragen sollte. Der Bezugspunkt bzw. die Abgrenzung von der Sowjetunion war für die Biographie und das Schaffen Schmidts von zentraler Bedeutung. Seine Lebensepoche war geprägt vom sich verschärfenden Gegensatz zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Deshalb interessiere ich mich speziell für das politische, kulturelle und gesellschaftliche Spannungsverhältnis, in dem Schmidt seine städtebaulichen und architektonischen Konzepte entwickelte.

Mein Dissertationsprojekt ist an der Schnittstelle von Geschichtswissenschaft und Kunst-/Architekturgeschichte angesiedelt und untersucht den gesellschaftspolitischen Diskursraum um einen wichtigen schweizerischen Vertreter des Neuen Bauens. Es leistet einen Beitrag zur architektursoziologischen Geschichte des Neuen Bauens, zur Verflechtungs- und Beziehungsgeschichte der Schweiz und Sowjetrusslands bzw. der Sowjetunion und zur Biographieforschung eines linksintellektuellen Experten Anfang der 1920er bis in die frühen 1970er Jahre. Unter Bezugnahme unterschiedlicher Quellen wird das Schaffen von Hans Schmidt als politischer Akt untersucht. Dabei soll gezeigt werden, wie Architektur als Projektionsfläche politischer, gesellschaftlicher und kultureller Diskurse instrumentalisiert und genutzt wurde (und wird).