Das Spektrum der Forschungsthemen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Professur für Osteuropäische Geschichte umspannnt derzeit die vergleichende Imperiengeschichte, die Umweltgeschichte sowie visuelle und raumgeschichtliche Ansätze. Zeitlich liegt der Fokus auf dem 19. und 20. Jahrhundert. Regional stehen das Russländische Imperium und die Sowjetunion, die ostmitteleuropäischen Länder sowie Südosteuropa im Mittelpunkt.

Laufende sowie abgeschlossene Dissertationen, Masterarbeiten, die von Prof. Dr. Frithjof Benjamin Schenk betreut wurden bzw. werden, finden Sie in der Forschungsdatenbank des Departements Geschichte. Genauere Informationen zu einzelnen Projekten finden Sie in der zentralen Forschungsdatenbank der Universität Basel.


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Online-Plattform dekoder.org

Kooperationsprojekt mit der Online-Plattform dekoder.org und der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen

Das Ziel des Projekts ist der Aufbau einer innovativen digitalen Schnittstelle zwischen wissenschaftlicher Osteuropaforschung und Journalismus, die auch als Vorbild für andere gesellschaftlich relevante Themen diesen soll. Dafür werden neue wissenschaftsbasierte Online-Formate entwickelt, Netzwerkstrukturen zwischen Wissenschaft und Medien auf- bzw. ausgebaut und die mediale Vermittlungskompetenz von Studierenden gefördert.

In den kommenden drei Semestern (FS 20 bis FS 21) wollen wir am Profilbereich Osteuropa gemeinsam mit Studierenden, Journalist*innen und Kolleg*innen anderer Schweizer Universitäten diskutieren, in welchen Formaten wissenschaftsbasierter „Content“ heute mediengerecht vermittelt werden kann. 

Den Auftakt bildete im Frühjahrssemester 2020 ein Forschungsseminar von Prof. F. Benjamin Schenk zum Thema „Imperium, Geschichtspolitik und Erinnerungsorte im heutigen Russland“. Das Seminar war verknüpft mit dem Methodenworkshop (Übung) von Dr. Leonid Klimov „Von der Wissenschaft zum Online-Dossier. Historische Area Studies im Internetzeitalter 2.0“.  

Ziel der beiden Lehrveranstaltungen war die gemeinsame Erarbeitung eines Konzepts für ein Dossier bzw. „multimediales Special“ zum Thema „Imperium, Geschichtspolitik und Erinnerungsorte im heutigen Russland“ auf der Plattform dekoder.org. Für die kommenden Semester sind weitere projektbezogene Lehrveranstaltungen und Aktivitäten am Profilbereich Osteuropa geplant. 

Das Projekt wird in Kooperation mit der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen und dem Online-Medium dekoder.org durchgeführt. Finanziell unterstützt wird das Vorhaben von der Stiftung für Medienvielfalt (Basel) und der Volkswagen Stiftung (Hannover).

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Familienporträt der Gysins, Alfred Gysin ganz rechts

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Fotografie eines der Briefe von Alfred Gysin, 1906

Mit den Briefen von Alfred Gysin an seine Familie in Liestal liegt ein unveröffentlichtes Quellenkorpus vor, das sich bislang in Privatbesitz befand und eine einmalige Perspektive auf die Lebenswelt des Donbas im späten Zarenreich ermöglicht. Unter der Leitung von Prof. Dr. Frithjof Benjamin Schenk transkribieren Studierende das Briefmaterial und bereiten es für eine wissenschaftliche Edition vor. Ausgehend von den Wahrnehmungs- und Ordnungskategorien des jungen Schweizer Auswanderers erarbeiten sie thematische Essays, in denen die Briefe in einen grösseren historischen Kontext eingeordnet werden.

Alfred Gysin wurde am 1. April 1883 als zweitältestes Kind von Alfred und Sophie Gysin-Brodbeck in Liestal geboren. Als ausgebildeter Primarlehrer und Student der Universität Basel machte sich Alfred Gysin im Jahr 1906 auf den Weg von Basel nach Ekaterinoslav im Gebiet der heutigen Ukraine, um als Hauslehrer bei einer Fabrikantenfamilie zu unterrichten. Während seines Aufenthalts lernte er die russische Sprache, musizierte in verschiedenen Orchestern und träumte davon, einen landwirtschaftlichen Betrieb in Südrussland aufzubauen. Nach knapp einem Jahr kehrte er in die Schweiz zurück, wo er das Mittelschullehrerdiplom erwarb und als Lehrer zuerst im Kanton Schaffhausen und später an der damaligen Mädchensekundarschule in Basel unterrichtete. – Alfred Gysin schrieb während seines Aufenthalts in Russland regelmässig Briefe an seine Familie. Seine Äusserungen zeugen von seiner differenzierten Beobachtung der politischen Situation in Russland um 1906/07 sowie der multikonfessionell und polyethisch geprägten Industrieregion des Donbas. Auffallend oft thematisiert der bekennende Abstinenzler Alfred Gysin den Alkoholkonsum der Menschen in seiner Umgebung. Die Abstinenzbewegung in der Schweiz und Russland ist eines der Themen, das Studierende im Rahmen des Editionsprojekts historisch beleuchten. Weitere Essays befassen sich mit der Geschichte des Donbas im frühen 20. Jahrhundert, der Berichterstattung über Russland in Schweizer Zeitungen, der Emigration von Schweizer LehrerInnen ins Zarenreich und der Geschichte der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Russland um die Jahrhundertwende. 

Projektleitung: F. Benjamin Schenk, Angela Boller, Anne Hasselmann

Lehrveranstaltung im Rahmen des Projekts: «Briefe aus Russland. Selbstzeugnisse eines Schweizer Auswanderers aus dem frühen 20. Jahrhundert» (FS 2018)

Beteiligte Studierende: Meret Dräyer, Julia Eberle, Oriana Fasciati, Lena Friedrich, Jonas Hinck, Sara Jevtic, A. Cristina Münch, Jorian Pawlowsky, Magdalena Polivka, Melina Schellenberg, Claire M. Schneemann, Jael Sigrist, Oliver Sterchi, Maria Stikhina, Luca Thoma, Marcel Zimmermann

Öffentliche Präsentation des Forschungsvorhabens: «Uni am Markt», u.a. am 26. September 2018 auf dem Wochenmarkt in Liestal.


laufende Forschungsprojekte

SNF-Ambizione Projekt: Finding Faith in an Atheist Land: Russian Orthodox Intelligentsia and the Late Soviet National-Religious Revival

The predominant place of Orthodox religion in Russian society and the close relationship between the Orthodox Church and political power is often cited as a striking example of return of religion onto the public stage after 70 years of state atheism. 

This phenomenon is generally dated back to the late Perestroika years, following the liberalization of religion after the 1000th anniversary of the Christianization of Kievan Rus in 1988. There has been little investigation, however, into the roots of this phenomenon.

Based on oral history interviews, archival research in Russia and abroad, memoirs and secondary literature, this project examines the religious revival which took place within the Russian Orthodox intelligentsia, starting from the late 1960s, in Moscow and Leningrad.


Einzelprojekte und Initiativen

DatumVeranstaltungsortKonferenztitel
5.-7. Juni 2019Kollegiengebäude, Universität Basel"Конференция" - Studentische Konferenz für Osteuropa-Forschung in der Schweiz
26. November 2018Kollegiengebäude, Universität BaselURIS-Workshop: War and Revolution in Ukraine, 1914–1920
10.-11. September 2018Basel, Alte Universität am Rheinsprung

Management and Experiences of Migration in Modern East European History

13.-15. September 2017Kaiseraugst, Landgut Kastellen (Basel)

Russia 1917 and the Dissolution of the Old Order in Europe. Biographical Itineraries, Individual Experiences, Autobiographical Reflections.

3.-4. Juli 2017Basel, Alte Universität am RheinsprungWorkshop Historische Museumanalyse - Die Museen der ehemaligen Sowjetunion
3.-6. September  2015Hotel "Schloss Münchenwiler" (near Bern, Switzerland)Sites of Memory of Socialism and Communism in Europe 
27.-29. August 2014Kaiseraugst, Landgut Castelen (Basel)Picturing Empires – Photography and Social Change in Nineteenth Century Multiethnic Environments. Internationale Workshop-Konferenz
20.-22. Juli 2014Ludwig-Maximilians-Universität MünchenImperial Experts and Their Autobiographical Practices in Russia, Austria-Hungary and the Ottoman Empire
6.-7. Februar 2014Historisches Seminar der Universität ZürichAnalysing Visual Representations of War: Examples from Russia and Yugoslavia. International Exploratory Workshop
6.-8. Juni 2013Universität Basel, KollegienhausInternationale Tagung: Autobiographische Praxis und Imperienforschung
01.-02. Februar 2013Universität BaselZwischen Nation und Weltöffentlichkeit: Auslandskorrespondenten 1890 bis 1990. Workshop
7. Dezember 2012Universität BaselRussland in Bildern: Photographiegeschichte vom Zarenreich bis zur Sowjetunion. Internationaler Workshop am
22.-24. November 2012Universität BaselKrieg und Frieden. Internationale Konferenz anlässlich des 100. Jubiläums des Basler Friedenskongresses
19.-20. Oktober 2012Universität BaselEden für jeden. Touristische Sehnsuchtsorte in Mittel- und Osteuropa (vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart): Interdisziplinärer Workshop für Nachwuchsforscher Basel
5.-8. September 2012Europa Universität Viadrina, Frankfurt (Oder)Tagung Infrastrukturnetze und Phantomgrenzen in Ostmitteleuropa
28.-30. März 2012Universität BaselEast European Jews in Switzerland: Immigrants, Transmigrants and Sojourners 
28.-30. Oktober 2011

Universität Basel

1861 as a Russian and Soviet «Lieu de mémoire». Narrating and Commemorating the Abolition of Serfdom 

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Es ist ein besonderes Glück, dass eine so umfangreiche Postkartensammlung wie die der russischen Familie Radzievsky den Weg in den Besitz des Lehrstuhls für Osteuropäische Geschichte der Universität Basel gefunden hat.

Vera Radzievska suchte und kaufte die alten Postkarten über viele Jahre hinweg auf unterschiedlichen Moskauer Flohmärkten. Zusammen mit ihrem in Paris lebenden Sohn, Pavel Radzievsky, hegte sie ein reges Interesse an alten Büchern und historischen Gegenständen. Die Postkartenraritäten, so ihr gemeinsamer langjähriger Wunsch, sollten einst die Grundlage für eine Ausstellung bilden. Pavel Radzievsky war vermutlich Anfang der 1980er Jahre aus Moskau nach Frankreich emigriert und liess sich in Paris als Antiquar nieder. Er kaufte Bücher von russischen Emigranten auf, zum Teil Erstausgaben und Raritäten, die im Exil in Berlin, Prag oder Paris erschienen waren. Gleichzeitig versorgte ihn seine Mutter regelmässig mit antiquarischen Buchlieferungen aus Russland. Hierüber entstand schliesslich die enge Verbindung der Radzievskys zur Basler Universitätsbibliothek: Erstmals trat der Antiquar im Jahre 1986 aufgrund der weit über die Grenzen der Schweiz hinaus bekannten Sammlung des Basler Theologen Fritz Lieb an die Universitätsbibliothek heran und bot ihr in Ergänzung zum Basler Marina Zwetajewa-Archiv drei Erstausgaben mit Autographen der Autorin an. In den darauffolgenden Jahren kam es immer wieder zu wertvollen Bücherankäufen durch die Bibliothek. Nach Pavels frühem Tod Mitte der 1990er Jahre war es seine mittlerweile aus Russland emigrierte Mutter, die die Reisen nach Basel unternahm. Anlässlich ihres letzten Besuchs 1998/99 schenkte sie Dr. Helena Kanyar-Becker, die als Fachreferentin für Slavistik in der Universitätsbibliothek über Jahrzehnte für die Aufkäufe der antiquarischen Bücher zuständig war, ihre wertvolle Postkartensammlung, in der Hoffnung, dass sie einmal Gegenstand einer Ausstellung werden würde.

Frau Kanyar-Becker gab diese Sammlung von insgesamt 409 Einzelstücken an den Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte weiter. Vom 12. Dezember 2009 bis zum 26. März 2010 wurde die Ausstellung „Liebe Grüsse aus Moskau. Eine Postkarten-Reise ins Zarenreich“ dann schliesslich innerhalb der Räume der Universitätsbibliothek Basel realisiert. Sie wurde unter der Leitung Professor Heiko Haumanns und dem damals als Kuratoren fungierenden Assistenten Jörn Happel unter Mitarbeit von Lehrstuhlmitgliedern und einigen Studierenden erarbeitet. Der Erfolg der Ausstellung war so groß, dass sie daraufhin auf Wanderschaft ging und ebenfalls in Astano (Tessin) und in Kiel gezeigt wurde.

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Am 9. April 2017 wurde zum ersten Mal überhaupt eine Kooperations-Veranstaltung der Lehrstühle für Osteuropäische Geschichte der Universitäten Basel, Bern und Zürich durchgeführt. Anlässlich des 100. Jahrestages der Abfahrt des sogenannten „Lenin-Zuges“ von Zürich nach Petrograd wurde am 9. April 2017 in Zürich in verschiedenen Formaten ein öffentlicher Dialog über Geschichte geführt.

Interessierte Personen waren eingeladen, an den Kurzvorträgen der LehrstuhlinhaberInnen teilzunehmen und sich in der anschliessenden Diskussionsrunde einzubringen. Das Publikum interessierte besonders die Frage, wie die Geschichte in Russland und Europa verlaufen wäre, wenn Lenin am 9. April 1917 nicht in Zürich den Zug nach Petrograd bestiegen hätte. Des Weiteren fand ein ebenfalls sehr gut besuchtes Podiumsgespräch mit renommierten Historikern aus Russland und Deutschland statt, an dem über aktuelle geschichtspolitische Fragen und die Bedeutung der Russischen Revolution gesprochen wurde. Die Gespräche rückten die Aktualität von historischen Fragen in den Fokus. Unter anderem wurde über die ambivalente Bedeutung der Russischen Revolution zwischen Apokalypse und Utopie diskutiert. Ein Ensemble des Berner StudentInnen Theaters inszenierte im Landesmuseum eindrücklich Zeitdokumente wie Erinnerungstexte von Mitreisenden und verschiedene literarische Verarbeitungen der Zugfahrt. An den Veranstaltungen, die in den Räumlichkeiten des Landesmuseums stattfanden, nahmen insgesamt über 450 Personen teil. 

Den Höhepunkt des Tages bildete die Uraufführung des Stücks „Zürich – Petrograd einfach“ des Ensembles Thorgevsky & Wiener. Die Darbietung fand in einem historischen Zug statt, der die Schweizer Strecke (Zürich-Schaffhausen) von Lenins Reise abfuhr. Für eine knappe Stunde war der Zürcher Hauptbahnhof eingenommen vom Geist der Revolution: Nicht nur die Anzeigetafel verwies auf den Extrazug, PassagierInnen und PassantInnen wurden auch per Lautsprecher-Durchsage darauf aufmerksam gemacht. Bereits um 15.05 Uhr konnten die über 300 versammelten Mitreisenden sowie zahlreiche weitere Interessierte auf Perron 8 einer „Rede Lenins“ beiwohnen – im Hintergrund die Dampflokomotive mit Jahrgang 1904 inklusive historischem Rollmaterial. Um 15.29 schliesslich setzte sich der Zug in Bewegung – 100 Jahre nach der Abfahrt des Zuges mit den RevolutionärInnen an Bord. 

Im restlos ausverkauften Zug durften die Passagiere einer einzigartigen Inszenierung der Zugfahrt und ihrer Folgen beiwohnen. Das Theaterstück trug seinen Teil zum multiperspektivischen Veranstaltungstag bei, an dem eine breite Palette an unterschiedlichen Sichtweisen auf die historischen Gegebenheiten Platz fand.