Boris Belge

Dr. Boris Belge


Assistent (Osteuropäische Geschichte) (Departement Geschichte)

Büro

Hirschgässlein 21
4051 Basel
Schweiz

Boris Belge

Curriculum Vitae

ab 08/2021 Ambizione Research Fellow (SNF)

seit 08/2017 Wissenschaftlicher Assistent (Professur für Osteuropäische Geschichte, Basel)

08/2018–01/2020 Koordinator des Masterstudiengangs Europäische Geschichte in globaler Perspektive und Mobilitätsbeauftragter des Departements Geschichte

07/2016–07/2017 Habilitand (Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde, Tübingen)

07/2016 Promotion in Neuerer und Neuester Geschichte mit Schwerpunkt Osteuropäische Geschichte, Titel der Dissertation: "Klingende Sowjetmoderne. Eine Musik- und Gesellschaftsgeschichte des Spätsozialismus" (publiziert 2018 im Böhlau Verlag)

08/2010–01/2016 Akademischer Mitarbeiter (Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde, Tübingen)

10/2005–07/2010 Studium Neuere und Neueste Geschichte/Politikwissenschaft, Universität Tübingen

 


SNF Ambizione-Förderung für das Projekt "Managing Trade: Infrastructure and Economic Practices in the Port of Odessa (1794–1905)"

Boris Belge wurde im August 2020 eine Ambizione-Förderung vom Schweizerischen Nationalfonds für sein Projekt “Managing Trade: Infrastructure and Economic Practices in the Port of Odessa (1794–1905)” zugesprochen. Im Zentrum seines Vorhabens steht der grösste Hafen des Russländischen Reiches am Schwarzen Meer, der aus wirtschafts-, technik-, sozial- und politikgeschichtlicher Perspektive über mehr als ein Jahrhundert untersucht wird.

Boris Belge wird ab August 2021 als Ambizione Fellow an der Universität Basel tätig sein sowie Archiv- und Forschungsaufenthalte in Odesa, Kyiv, an der Higher School of Economics und der European University in St. Petersburg, am Russian, East European, and Eurasian Center der University of Illinois at Urbana-Champaign und der Harvard University absolvieren. 

Boris Odessa
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Aktuelles Forschungsprojekt (Postdoc)

Managing Trade: Infrastructure and Economic Practices in the Port of Odessa (1794–1905)

My project explores the origins of the intense competition for trade by focusing on the Russian Empire, which in the nineteenth century literally fed the world: Its principal port, Odessa, enabled Russia to serve as the biggest global exporter of wheat, which propelled it to a dominant economic and political status within the Russian Empire, while the city and port of Odessa itself evolved into a hub of global communication and trade. The attention given to the history of the city by scholars in the field stands in sharp contrast to the virtual neglect of the port’s history.

My work on this subject will provide new insights into the history of technology and infrastructure and into the economic, social, and political history of the Russian Empire via its exploration of the interconnections between a changing global trade economy, new transport technologies, and the Russian Empire’s specific context and situation. I will examine the multi-layered history of the port facility’s development and reconstruction by paying close attention to actors and their agency: In my research I will encounter state administrators, engineers, architects, merchants, ship crews, dock workers and city dwellers. Key factors in my approach will include the port’s status as important imperial infrastructure, reliant on the allocation of resources by the imperial centre and simultaneously vital to the Empire’s economic microstructure, and its part in the ever-closer network of port cities that emerged in the global nineteenth century. The project will follow the port of Odessa over a century of development, from its foundation in 1794 to the first Russian Revolution of 1905/06 (and beyond), via exploration of a variety of sources from Ukrainian and Russian state archives and published and unpublished material held by libraries. I intend to use approaches from New Economic History and the history of infrastructure and I will employ tools from the digital Humanities to process empirical data and to model the changing shape of the port over the course of the nineteenth century. 

Projektbezogene Publikationen:

  • Belge, Boris: Pest und Profite. Eine Wirtschaftsgeschichte der Quarantäne im Hafen von Odessa, in: traverse. Zeitschrift für Geschichte/revue d’histoire 26 (3), 2019, S. 97–115.
  • Sehnsuchtsort Hafenmetropole Odessa, in: Blume, Dorlis; Brennecke, Christiana; Breymayer, Ursula u. a. (Hg.): Europa und das Meer [Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung am Deutschen Historischen Museum], München 2018, S. 175–186.


Boris Belge im Podcast über den sowjetisch-deutschen Musikkomponisten Alfred Schnittke

Der WDR-Podcast erinnert zum 85. Geburtstag von Alfred Schnittke (1934-1998) an dessen einzigartiges komponistisches Schaffen. Mit Boris Belge als Experten. 

Aus einer vielschichtigen Identität heraus, die ihm in der Sowjetunion immer wieder Probleme machte, hat der 1934 in Engels geborene Alfred Schnittke seine Musik komponiert: katastrophische Sinfonien, doppelbödige Filmmusik, grelle Opern, Kammermusik am Rande des Verstummens. Die Suche nach dem eigenen Weg war schwierig und sie war politisch blockiert durch die Doktrin des sozialistischen Realismus, die eine volksverbundene, eingängige Musik forderte. Schnittke profitierte vom Tod Stalins und der allmählichen Lockerung der rigiden Kulurpolitik und Chruschtschow Tauwetter-Politik. Schnittke wandte sich schliesslich an die Musikszene jenseits des Eisernen Vorhangs und hegte rege Briefkorrespondenzen zu westlichen Komponisten. 

Alfred Schnittke zeichnete sich durch seine Polystilistik aus: die Idee, historische und neue Musiksprachen zu einem komplexen Gewebe zu spinnen, das nie eindeutig ist und immer davon abhängig ist, mit welchen politisch-kulturellen Ohren es gehört wird. Seine Musik vereinte westliche und sowjetische musikalische Symbolvorräte. Alfred Schnittke avancierte schliesslich zum wohl meist gespielten Komponisten der 1990er Jahren und zu einem der fleissigsten Komponisten seiner Generation.

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Russland entdeckt die Welt: Podcast mit Tagebuchauszügen zweier Weltumsegler

Im Herbstsemester 2018 erkundete Boris Belge gemeinsam mit 17 Studierenden die maritime Dimension russländischer Geschichte im 19. Jahrhundert. Die Studierenden erarbeiteten sich nach einem einführenden Block und einer Exkursion an das Deutsche Historische Museum in Berlin unterschiedliche Themen und Forschungsgegenstände selbst, die sie anschliessend an der Ergebnispräsentation aller Einführungskurse des Departements Geschichte vorstellten. Dabei entstand auch ein Podcast, der Ausschnitte aus den Tagebüchern des Kapitäns Adam Johann von Krusenstern (1770-1846) und des Offiziers Hermann Ludwig Löwenstern (1771-1836) auf lebendige Art und Weise zum Sprechen bringt. Die Ausschnitte zeugen davon, wie die Weltumsegler das «Fremde» wahrnahmen, welche Schwierigkeiten sie mit der eigenen Verortung in einer aufklärerisch gedachten zivilisatorischen Ordnung hatten und schildern Eindrücke aus Brasilien, Polynesien, Japan und Kamčatka. Hören Sie selbst!

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Publikation der Dissertationsschrift

 Alfred Schnittke, Sofia Gubaidulina und Edison Denisov zählten seit den 1960er Jahren in der Sowjetunion und im Westen zu den namhaftesten Komponisten. Sie galten als „Erben Šostakovičs“ und schufen für viele Sowjetbürger aufregende Klänge, die dem oftmals widersprüchlichen und überfordernden Leben im Spätsozialismus Sinn und Bedeutung gaben. Die drei Komponisten prägten die musikalische Welt der Sowjetunion und wurden deshalb schon bald unter dem Namen „Moskauer Trojka“ bekannt. Dieses Buch zeigt, dass Komponisten, Musiker und ihre Hörer ein wichtiger Teil der sowjetischen Gesellschaft waren, die im ausgehenden 20. Jahrhundert einen hyper- und schließlich instabilen Zustand annahm.

Weitere Informationen zum publizierten Werk finden Sie hier

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Die Russische Oktoberrevolution 1917 im Blick der Künste - SRF-Gespräch mit Boris Belge

Die Russische Oktoberrevolution hat das Land grundlegend verändert und später die ganze Welt. Welche Bilder, welche Musik und welche Literatur spiegeln dieses epochale Ereignis? Und sind diese Werke glaubwürdige Zeitdokumente oder nähen sie nur den Mythos?

Die Oktoberrevolution und ihre Folgen haben nicht nur das Gesicht des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt, sondern auch die Künste. Wie verarbeiten sie die Revolutionswirren? Was taugen sie als Quelle? Und wie lenken sie unseren Blick auf die Ereignisse heute?

Dr. Boris Belge vom Departement Geschichte, Bereich Osteuropäische Geschichte, spricht als Experte über die Musik der Oktoberrevolution in der SRF-Sendung "Künste im Gespräch". "Wir nehmen ein Ohr von Kompositionen, die den Geist der Revolution einfangen, sie verklären, sich von ihr abwenden oder ihr gedenken", so der Vorgeschmack von Seiten der SRF. 

Reinhören in die SRF-Sendung vom 12. Oktober 2017 lohnt sich, betrachtet sie die Oktoberrevolution doch von einer anderen Seite. Um Boris Belges Beitrag zur Musik der Oktoberrevolution (von Minute 17:46-37:12) bestmöglichst zu veranschaulichen, werden die thematisierten musikalischen Kompositionen direkt eingespielt. 

SRF-Sendung "Künste im Gespräch" mit Boris Belge.

  • Handel und Schifffahrt im Russischen Reich
  • Sowjetische Gesellschafts- und Kulturgeschichte im Spätsozialismus
  • Musik und Kultur im Russischen Reich und in der Sowjetunion

2019 

  • Belge, Boris: Wie sowjetische Musik «vaterländisch» wurde, oder: Die Avantgarde im Spät- und Postsozialismus neu erfinden, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 67 (3), 2019, S. 475–489. 
  • Belge, Boris: Pest und Profite. Eine Wirtschaftsgeschichte der Quarantäne im Hafen von Odessa, in: traverse. Zeitschrift für Geschichte/revue d’histoire 26 (3), 2019, S. 97–115.

2018

Dissertation: Belge, Boris: Klingende Sowjetmoderne. Eine Musik- und Gesellschaftsgeschichte des Spätsozialismus. Köln 2018.

 

Monographien

Belge, Boris: Klingende Sowjetmoderne. Eine Musik- und Gesellschaftsgeschichte des Spätsozialismus. Köln 2018.

 

Herausgeberschaften

Belge, Boris; Deuerlein, Martin (Hg.): Goldenes Zeitalter der Stagnation? Perspektiven auf die sowjetische Ordnung der Brežnev-Ära, Tübingen 2014 (=2). edocURL

  

Zeitschriftenaufsätze

Belge, Boris: Wie sowjetische Musik «vaterländisch» wurde, oder: Die Avantgarde im Spät- und Postsozialismus neu erfinden, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 67 (3), 2019, S. 475–489. 

Belge, Boris: Bakterien und Profite. Eine Wirtschaftsgeschichte der Quarantäne im Hafen von Odessa, in: traverse. Zeitschrift für Geschichte/revue d’histoire 26 (3), 2019, S. 97–115.

Belge, Boris: Between E and U: Alfred Schnittke, Popular Culture and Serious Music in Late Soviet Socialism (1968-1982), in: Euxeinos 25-26, 12/2018, ed. by Peter Collmer and Carmen Scheide.

Belge, Boris: Sehnsuchtsort Hafenmetropole Odessa, in: Blume, Dorlis; Brennecke, Christiana; Breymayer, Ursula u. a. (Hg.): Europa und das Meer [Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung am Deutschen Historischen Museum], München 2018, S. 175–186.

Boris, Belge: Neue Musik als europäischer Erfahrungsraum. Die Rezeption zeitgenössischer Komposition in der Sowjetunion und in Westeuropa (1953–1991), in: Narskij, Igor (Hrsg.), Hochkultur für das Volk? Literatur, Kunst und Musik in der Sowjetunion aus kulturgeschichtlicher Perspektive, Berlin 2018, S. 253–264.

Belge, Boris: Between Party and People(s). Where Music Sounds, in: Kritika , 2017, H. 2, S. 437-443.

Belge, Boris: Der sowjetische Komponistenverband, der Sozialistische Realismus und das fragile Gleichgewicht der musikalischen Welt in der Brežnev-Zeit, in: Die Tonkunst , 2016, H. 2, S. 123-129.

Belge, Boris: Eine "wahnsinnige Chronik des 20. Jahrhundert." Alfred Schnittkes 1. Symphonie als Schlüsselwerk der sowjetischen Musikgeschichte, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History , 2015, S. 170-175. edoc

Belge, Boris: Kanonendonner und Glockenklänge. Petr I. Čaikovskijs Festouvertüre "1812", in: Osteuropa , 2013, H. 1, S. 83-93.

Belge, Boris: From Peace To Freedom. How Classical Music Became Political in the Soviet Union, 1964-1982, in: Ab imperio , 2013, H. 2, S. 278-297.

Belge, Boris: Un addio comune alla modernità? Risonanze musicali attraverso i Blocchi, in: Contemporanea. Rivista di storia dell'800 e dell'900 , 2012, S. 170-179.

Belge, Boris; Gestwa, Klaus: Wetterkrieg und Klimawandel. Meteorologie im Kalten Krieg, in: Osteuropa , 2009, H. 10, S. S. 15-43.

 

Aufsätze in Sammelbänden

Belge, Boris: Neue Musik als europäischer Erfahrungsraum: Die Rezeption zeitgenössischer Komposition in der Sowjetunion und in Westeuropa (1953-1991), in: Hochkultur für das Volk? Literatur, Kunst und Musik in der Sowjetunion aus kulturgeschichtlicher Perspektive, 2018, S. 253-267.

Belge, Boris: Sehnsuchtsort Hafenmetropole Odessa, in: Europa und das Meer, 2018, S. 175-185.

    Belge, Boris: Zwischen Polystilistik und Sozrealismus. Die Schnittke-Rezeption in der Sowjetunion 1974-1981, in: Flechsig, Amrei; Weiss, Stefan (Hg.): Postmoderne hinter dem Eisernen Vorhang. Werk und Rezeption Alfred Schnittkes im Kontext ost- und mitteleuropäischer Musikdiskurse, Hildesheim/Zürich/New York 2013, S. 155-169.

    Belge, Boris: Eruption in der Erosion. Alfred Schnittke und der sowjetische Komponistenverband, in: Flechsig, Amrei; Storch, Christian (Hg.): Alfred Schnittke. Analyse - Interpretation - Rezeption, Hildesheim/Zürich/New York 2010, S. 29-51.

     

    Internetpublikationen

    Belge, Boris: Der Samowar, 2019, in: dekoder.org

    Belge, Boris: Sergej Prokofjew, 2018, in: dekorder.org

    Belge, Boris: Die Hymne der Russischen Föderation, 2018, in: dekorder.org