Assistent / PostDoc (Professur Schenk)
Departement Geschichte
Hirschgässlein 21
4051 Basel
Schweiz
Stephan Rindlisbacher ist Historiker mit einem Schwerpunkt auf der Geschichte Osteuropas und des nördlichen Eurasiens. Aktuell forscht er vergleichend zur Geschichte des Südkaukasus und Zentralasiens. In seinem 2025 bei Cornell University Press erschienenen Buch Borders in Red. hat er sich mit dem Umgang mit territorialer und gesellschaftlicher Vielfalt in der frühen Sowjetunion auseinandergesetzt. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Geschichte des Terrorismus und der politischen Gewalt. Rindlisbacher studierte Neuere Geschichte, Slawistik und Islamwissenschaft an den Universitäten Bern und Zagreb sowie an der Staatlichen Universität St. Petersburg.
Seit August 2026
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Departement Geschichte
2024
Habilitation an der Europa-Universität Viadrina im Fach „Osteuropäische Geschichte“
Seit Juni 2019
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Viadrina Center of Polish and Ukrainian Studies der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
2016–2019
Projektstipendium des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) zum Thema „Borders in Red: Managing Diversity in the Early Soviet Union“.
2015–2016
Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Neuere und Osteuropäische Geschichte am Lehrstuhl von Julia Richers an der Universität Bern.
2011–2014
Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Zeitgeschichte am Lehrstuhl von Marina Cattaruzza an der Universität Bern.
2008–2011
Promotion zum Thema: „Leben für die Sache. Vera Figner, Vera Zasulič und das radikale Milieu im späten zaristischen Reich.“
2001–2007
Studium der Geschichte, der slawischen Sprachen und des Arabischen an der Universität Bern. Gastsemester in St. Petersburg (2005/06) und Zagreb (2006/07).
Im Mittelpunkt steht hier die Frage russländischer bzw. sowjetischer imperialer Herrschaft im Kaukasus und in Zentralasien im 19. und 20. Jahrhundert, polyethnische und multireligiöse Regionen, die für das Petersburger bzw. Moskauer Zentrum oft nur schwer oder gar nicht zu kontrollieren waren. Der innovative Kern des Projektes liegt zum einen im transepochalen Vergleich russländischer bzw. sowjetischer imperialer Herrschaft und zum anderen im transregionalen Vergleich von Herrschaftsstrategien und deren Wahrnehmung. Anders als frühere Ansätze, die vor allem die Unterschiede zwischen zarischer und sowjetischer Herrschaft an der südlichen und südöstlichen Peripherie des Russländischen Reiches bzw. der UdSSR betonten, fokussieren wir auf die Frage nach strukturellen Ähnlichkeiten und längeren Traditionslinien. Im Fokus stehen dabei Herrschaftstechniken und die Wechselwirkung mit der lokalen Bevölkerung in politisch schwer zu kontrollierenden Bergregionen an der Peripherie imperialer Herrschaftsräume.
Mit Unterstützung des Forschungsfonds der Universität Basel soll im Rahmen des International Co-Investigator Scheme des SNF bis zum 1. April 2027 ein Antrag erarbeitet und eingereicht werden.
Seit der Krimkrise im Jahr 2014 hat die Frage der sowjetischen Grenzziehung und Grenzregulierung in den internationalen Beziehungen unerwartet an Bedeutung gewonnen. Auch im Südkaukasus und in Zentralasien sind die in der Sowjetzeit festgelegten Grenzen eine ständige Quelle zwischenstaatlicher Konflikte. Doch wie und unter welchen Bedingungen wurden diese Grenzen gezogen und geregelt? Welche Akteure waren an diesen Territorialisierungsprozessen beteiligt? Anhand von Fallstudien aus der Ukraine und der RSFSR, dem Südkaukasus (Armenien-Aserbaidschan) sowie Zentralasien (Usbekistan, Kasachstan und Kirgisistan) vergleiche ich die Entstehung und Verwaltung dieser nationalen Grenzen. Dabei handelte es sich um komplexe Verhandlungsprozesse, in denen die Parteiführung in Moskau auf das Fachwissen lokaler Akteure, insbesondere aus dem Südkaukasus und Zentralasien, zurückgreifen musste. Ziel des Projekts ist es einerseits, das historische Verständnis der aktuellen Territorialkonflikte zu verbessern, und andererseits, einen Beitrag zur laufenden Debatte über die Herrschaftspraktiken im Sowjetstaat zu leisten.
Das wesentliche Produkt dieses Forschungsprojekts ist die Monographie Borders in Red, die 2025 bei Cornell University Press erschienen ist.

Wera Sassulitsch war eine außergewöhnliche Frau in einer von Männern beherrschten Welt. Mit ihrem Attentat auf den Petersburger Polizeikommandanten Trepow erlangte sie 1878 schlagartig internationale Bekanntheit. Später zählte sie zu den führenden Persönlichkeiten der russischen Sozialdemokratie. 1903 kam es zum Bruch mit der Gruppe um Lenin; fortan beteiligte sie sich beim Aufbau der Menschewiki.
Bei all ihrer politischen Aktivität war ihr wichtig, einer Gemeinschaft anzugehören, in der sie so akzeptiert wurde, wie sie war – das war für Wera Sassulitsch die „Poesie der Revolution“. Stephan Rindlisbacher gewährt in diesem Band einen Einblick in Sassulitschs bemerkenswerte Lebensgeschichte. In den ausgewählten und teils erstmals ins Deutsche übersetzen Dokumenten kommen Wera Sassulitsch selbst wie auch ihre engsten Weggefährten zu Wort.
Borders in Red. Managing Diversity in the Early Soviet Union, Ithaca 2025.
Leben für die Sache. Vera Figner, Vera Zasulič und das radikale Milieu im späten Zarenreich, Wiesbaden 2014
Vera Sassulitsch oder die Poesie der Revolution, Berlin 2026.
mit Frank Grelka (Hg.), ‘Our Work with the Masses Isn’t Worth a Kopeck...’ A Document Collection on German and Polish Rural Soviets in Ukraine during the NEP, 1923-1929, Wiesbaden 2021.
mit Dimitri Tolkatsch (Hg.), Die heutige Ukraine und ihre sowjetischen Wurzeln, Marburg 2021.
mit Luminiţa Gatejel and Nick Baron, “‘Drawing the Line’. Border Commissions in Eastern Europe,” in: Journal of Modern European History, 22 (2024) 1, S. 2-9.
“Between Proclamations of Friendship and Concealed Distrust. The Turkish-Soviet Border Commission, 1925-1926,” in: Journal of Modern European History, 22 (2024) 1, S. 55-68.
mit Alun Thomas, “Paths Not Taken. How Did Nomadism Affect Border-Making during National Delimitation in Central Asia?,” in: Ab Imperio, 2 (2023), S. 117-141.
“From International Isomorphism to Traditionalist Iconography. Banknotes as an Alternative Approach to Soviet Chronology,” in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, 70 (2022) 1/2, pp. 100-130.
mit Frank Grelka, “Modernization on Empty Coffers. Polish Minority Institutions in Early Soviet Ukraine,” in: Revolutionary Russia, 35 (2022) 2, S. 247-265.
“From Space to Territory. Negotiating the Russo-Ukrainian Border, 1919-1928,” in: Revolutionary Russia, 31 (2018) 1, S. 86-106.
“Living for a ‘Cause’. Radical Autobiographical Writing in Russia at the Beginning of the 20th Century,” in: AvtobiografiЯ, 7 (2017), S. 59-77.
„Das radikale Milieu im vorrevolutionären Russland,“ in: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung, 2013, S. 1-16.
„Radicalism as Political Religion? The Case of Vera Figner,” in: Totalitarian Movements and Political Religions, 11 (2010) 1, S. 67-87.
„Verhandelter Raum. Territoriale Ordnungspraktiken in Zentralasien und die historischen Ursprünge des kirgisisch-tadschikischen Grenzabkommens von 2025,“ in: Zentralasien–Analysen, 168 (2025), S. 7-11
“Armenia and Nagorno-Karabakh. The History of an Unsettling Relationship,” in: Studia Socjologiczno-Polityczne, 20 (2024) 1, S. 171-186.
mit Frank Grelka, „Beutepraxis in der Sowjetischen Besatzungszone. Neue Quellen für die Provenienzforschung aus russischen und ukrainischen Archiven,“ in: Arbeitskreis Provenienzforschung (Hg.), Entzug, Transfer, Transit. Menschen, Objekte, Orte und Ereignisse. 20 Jahre Arbeitskreis Provenienzforschung, Heidelberg 2024, S. 56-62.
„Das sowjetische Erbe. Territorien, Grenzen und ihre Relevanz für heute,“ in: Osteuropa, 73 (2023) 12, S. 113-126.
“National Forms with Economic Content? Gosplan’s Expertise on Territorializing the Soviet State, 1921-1930,” in: Steffi Marung und Ursula Rao (Hg.), Spatial Entrepreneurs. Actors and Practices of Space-Making Under the Global Condition, Berlin 2023, S. 39-57.
“The Territory of Ukraine and Its History,” in: Olena Palko und Mauel Férez Gil (Hg.), Ukraine's Many Faces. Land, People, and Culture Revisited, Bielefeld 2023, pp. 167-176.
“The Territorial Challenge in the Early Soviet State,” in: Sabine von Löwis und Beate Eschment (Hg.), Post-Soviet Borders. A Kaleidoscope of Shifting Lives and Lands, New York 2023, S. 51-66.
„Vorboten der Transformation. Akademischer Austausch zwischen Polen und westlichen Institutionen, 1960–1989,“ in: Falk Flade, Anna Steinkamp and Konrad Walerski (Hg.), Transformation in Polen und Ostdeutschland. Neue Einblicke in die Debatte über eine gespaltene Wirtschaft, Wiesbaden 2022, S. 223-237.
“El territorio de Ucrania y su historia,” in: Olena Palko und Manuel Férez Gil (Hg.), Descubriendo Ucrania. Su pueblo, su historia y su cultura, Buenos Aires 2022, S. 42-47.
“Contested Lines. The Russo-Ukrainian Border, 1917-1929,” in: Olena Palko und Constantin Ardeleanu (Hg.), Making Ukraine. Negotiating, Contesting and Drawing the Borders in the Twentieth Century, Montreal 2022, S. 189-209.
“The Reorganisation of Local Administration in Soviet Ukraine. The Example of Karl-Liebknecht Raion, 1924–1929,” in: Frank Grelka und Stephan Rindlisbacher (Hg.), ‘Our Work with the Masses Is Not Worth a Kopeck...’ A Document Collection on German and Polish Rural Soviets in Ukraine during the NEP, 1923-1929, Wiesbaden 2021, S. 47-64.
“Das Territorium der Ukraine,“ in: Stephan Rindlisbacher und Dimitri Tolkatsch (Hg.), Die heutige Ukraine und ihre sowjetischen Wurzeln, Marburg 2021, S. 9-27.
“La Russie clandestine, 1864-1917,” in: Virgile Cirefice, Grégoire Le Quang and Charles Riondet (Hg.), La part de l’ombre. Histoire de la clandestinité politique au XXe siècle, Paris 2019, S. 125-136.
“Into historical Limbo. The Legacy of the October Revolution in Russia,” in: Thomas Telios, Dieter Thomä und Ulrich Schmid (Hg.), The Russian Revolution as Ideal and Practice. Failures, Legacies, and Future of Revolution, London 2019, S. 207-223.
“Gemeinsam gegen den Krieg? Anželika Balabanova und das transnationale Zimmerwalder Netzwerk, 1914–1917,“ in: Frank Jacob (Hg.), Krieg und Frieden im Spiegel des Sozialismus, Berlin 2018, S. 308-327.
“The Echoes of the Echoes. Reflecting the International Commemoration of the October Revolution in the Newspaper Pravda, 1918-1991,” in: Jean-François Fayet, Valérie Gorin und Stefanie Prezioso (Hg.), Echoes of October International Commemorations of the Bolshevik Revolution 1918–1990, London 2017, S. 175-193.
„Grenzziehungen als Stabilisierungsfaktor der jungen Sowjetmacht. Die Grenzregulierung zwischen der Russischen Föderativen und Ukrainischen Sowjetrepublik in den 1920er Jahren,“ in: Frank Grelka und Tim Buchen (Hg.), Akteure der Neuordnung. Ostmitteleuropa und das Erbe der Imperien, 1917 – 1924, Berlin 2017, S. 27-46.
Interview mit Manuel Férez zu “Borders in Red”, 19 January 2026.
Reimagining Soviet Georgia, Episode 63, Border Delimitation in the Early Soviet Union with Stephan Rindlisbacher, 18 December 2025.
1869, Ep. 168, with Stephan Rindlisbacher, author of Borders in Red (Podcast), 16 June 2025.
mit Nick Baron, “Ukraine War. Why a Ceasefire Based on Partition of Territory Won’t Work”, The Conversation, 8. August 2023.
Interview mit Alun Thomas at Peripheral Histories zu “Creating a Pandora’s Box: The Soviet Search for National Borders”, Peripheral Histories.
mit Frank Grelka, „Das Ukrainische Erlebnis. Was die Ikonographie einer Währung über ein Land verrät,“ in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. May 2022, No. 115, S. 12.
„Berg-Karabach. Eine bequeme politische Sackgasse,“ in: Schweizer Monat, Nr. 1069, September 2019, S. 50-55.
Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung; Journal of East Central European Studies; Comparativ; Schweizerische Zeitschrift für Geschichte; Sehepunkte; H-Soz-Kult; Jahrbücher für Geschichte Osteuropas; Neue Politische Literatur; Religion & Gesellschaft in Ost und West