Dr. Stephan Rindlisbacher


Gastforscher Projekt "Territorialisierungsprozesse im frühen Sowjetstaat" (Professur Schenk)

Büro

Departement Geschichte
Hirschgässlein 21
4051 Basel
Schweiz


Curriculum Vitae

2016-2019 Projektstipendium des Schweizerischen Nationalfonds zum Thema „Grenzziehungen und Grenzverschiebungen im Sowjetstaat von 1918/22 bis 1936“. Archiv- und Forschungsaufenthalte in Moskau, Kiew, Tiflis, Regensburg, Madison (Wisconsin) und Basel.

2015-2016 Assistenz für Neueste und Osteuropäische Geschichte am Lehrstuhl von Julia Richers an der Universität Bern.

2011-2016 Lehrauftrag im Fach Russisch am Gymnasium Biel-Seeland.

2011-2014 Assistenz für Neueste Geschichte am Lehrstuhl von Marina Cattaruzza an der Universität Bern.

2008-2011 Projektstipendium des Schweizerischen Nationalfonds. Archivaufenthalte in Amsterdam, Moskau und St. Petersburg. Promotion und anschliessende Publikation zum Thema: „Leben für die Sache. Vera Figner, Vera Zasulič und das radikale Milieu im späten Zarenreich.“

2001-2007 Studium der Geschichte, Slavistik und Islamwissenschaft an der Universität Bern. Gastsemester in St. Petersburg (2005/6) und Zagreb (2006/7).


Aktuelles Forschungsprojekt (Habilitation)

Teritorialisierungsprozesse im Sowjetstaat von 1918/22 bis 1936

Die Frage, wie der Grenzen zwischen den Sowjetrepubliken festgelegt worden sind, ist spätestens seit der Krimkrise 2014 wieder ein international diskutiertes Thema. Auch im Südkaukasus sowie in Zentralasien geben die Grenzziehungen aus der Sowjetzeit bis heute Anlass für zwischenstaatliche Konflikte. Doch wie und unter welchen Voraussetzungen wurden die Grenzen zwischen den Unionsrepubliken gezogen? Welche Akteurewaren an diesen Territorialisierungsprozessen beteiligt? Wer konnte mit welchen Argumenten mitreden? Diese Fragen stehen im Zentrum meines Projekts. Anhand von Fallbeispielen aus dem Südwesten der Union (Ukraine-Russland), dem Südkaukasus (Armenien-Aserbaidschan) sowie aus Zentralasien (Usbekistan, Kasachstan und Kirgistan) untersuche ich vergleichend die Schaffung dieser nationalen Territorien. Dabei zeichnet sich immer deutlicher ab, dass es sich um komplexe Aushandlungsprozesse handelte, bei welchen die Parteiführung in Moskau vor allem im Südkaukasus und in Zentralasien auf die Expertise lokaler Akteure angewiesen war. Das Ziel des Projekts ist, einerseits das historische Verständnis für die aktuellen Territorialkonflikte in diesen Grenzregionen zu verbessern, und anderseits am Beispiel der Territorialisierungsprozesse zur laufenden Debatte über die Herrschaftspraktiken im Sowjetstaat beizutragen.


Abgeschlossenes Forschungsprojekt

Publikation

Leben für die Sache - Vera Figner, Vera Zasulič und das radikale Milieu im späten Zarenreich

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts treten in Russland vermehrt Frauen und Männer in die Öffentlichkeit, die durch radikale Veränderungen einen „neuen Menschen“ und mit ihm eine neue Gesellschaft schaffen wollen. Vera Figner und Vera Zasulič, die beiden Protagonistinnen der vorliegenden Untersuchung, sind herausragende Vertreterinnen der radikalen Bewegung im ausgehenden Zaren- reich. Während Vera Zasulič mit ihrem Attentat auf den St. Petersburger Stadtkommandanten Fëdor Trepov 1878 am Beginn der ersten terroristischen Welle in Russland steht, ist Vera Figner bei ihrer Verhaftung 1883 das letzte führende Mitglied der Terrororganisation Narodnaja Volja (Volkswille), die am 1./13. März 1881 einen tödlichen Anschlag auf Zar Aleksandr II. verübt. Die beiden Frauen verbindet zwar kein engerer persönlicher Kontakt, dafür aber die Zugehörigkeit zum selben Milieu. Beeinflusst von der progressiven Debatte in der Intelligencija der 1860er Jahre entschlossen sie sich bereits in ihrer Jugend, sich von traditionellen Standes- und Geschlechterrollen zu lösen, ihr Schicksal „in die eigenen Hände zu nehmen“ und sich einer „Sache“ zu verschreiben. Zusammen mit anderen Radikalen gerieten sie dadurch in einen immer heftigeren Konflikt mit der autokratischen Staatsmacht, der sich schließlich zu einem Kampf mit terroristischen Mitteln steigerte.

Die Biographien dieser beiden radikalen Frauen dienen als „Scheinwerfer“, um das radikale Milieu mit seinen Merkmalen, Funktionsmechanismen und Handlungsspielräumen auszuleuchten. Aus zwei voneinander unabhängigen aber vergleichbaren Blickwinkeln entsteht ein Bild nicht nur der radikalen Netzwerkstrukturen, Symbole, Praktiken und Identitätsnarrativen, sondern auch der beteiligten Menschen mit ihren Wünschen, Hoffnungen und Ängsten.

2014 publiziert in den Forschungen zur Osteuropäischen Geschichte, Bd. 80 Harrassowitz-Verlag ISBN: 978-3-447-10098-4, 364 Seiten


  • Geschichte Russlands und der Sowjetunion im 19. und 20. Jahrhundert
  • Wahrnehmungen und Deutungen von Räumen, Territorien und Grenzen
  • Kulturgeschichte des Geldes 
  • Geschichte des modernen Terrorismus 
  • Biographische Ansätze in der historischen Forschung

Monographie

Leben für die Sache. Vera Figner, Vera Zasulič und das radikale Milieu im späten Zarenreich, Wiesbaden 2014.

Rezensiert von  

- Lutz Häfner in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, 2 (2018), S. 370-372.

- Karen Rosenberg in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit, 20 (2016), S. 628-631.

- Beate Fieseler in: sehepunkte, 16 (2016):http://www.sehepunkte.de/2016/03/26032.html

- Felicitas Fischer von Weikerstahl in:Recensio Moskau, 2016/17:http://www.perspectivia.net/publikationen/recensio-moskau/2016-7

- Andrzej Szwarc in: Kwartalnik Historyczny, 123 (2016) 2, S. 394-399.

- Jonathan Dalyin: Slavic Review, 74 (2015) 2, S. 397-398.

- Fabian Thunemann bei H-Soz-Kult, 11.05.2015: http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-22506

- Anke Hilbrenner in: Nordost-Archiv, 23 (2014), S. 227-228.

- Sandrine Mayoraz in: Religion & Gesellschaft in Ost und West, 42 (2014) 8, S. 31.

 

Artikel

From Space to Territory. Negotiating the Russo-Ukrainian Border, 1919-1928, in: Revolutionary Russia, 31 (2018) 1, S. 86-106.

Gemeinsam gegen den Krieg? Anželika Balabanova und das transnationale Zimmerwalder Netzwerk, 1914–1917, in: Frank Jacob (Hg.), Krieg und Frieden im Spiegel des Sozialismus, Berlin 2018, S. 308-327.

Living for a ‘Cause’. Radical Autobiographical Writing in Russia at the Beginning of the 20thCentury, in: AvtobiografiЯ, 7 (2017), S. 59-77.

The Echoes of the Echoes. Reflecting the International Commemoration of the October Revolution in the Newspaper Pravda, 1918-1991, in: Jean-François Fayet/Valérie Gorin/Stefanie Prezioso, Echoes of October International Commemorations of the Bolshevik Revolution 1918–1990, London 2017, S. 175-193.

Grenzziehungen als Stabilisierungsfaktor der jungen Sowjetmacht. Die Grenzregulierung zwischen der Russischen Föderativen und Ukrainischen Sowjetrepublik in den 1920er Jahren, in: Frank Grelka/Tim Buchen (Hg.), Akteure der Neuordnung. Ostmitteleuropa und das Erbe der Imperien, 1917 – 1924, Frankfurt (Oder) 2017, S. 27-46. = Wytyczanie granic jako czynnik stabilizujący młodą władzę radziecką. Regulacja granicy między Rosyjską Federacyjną Republiką Radziecką a Ukraińską Republiką Radziecką w latach 20. XX wieku, in: Frank Grelka/Tim Buchen (Hg.), W poszukiwaniu nowego ładu. Europa Środkowo-Wschodnia wobec upadku imperiów, 1917 – 1924, Frankfurt (Oder) 2017, S. 175-191.

Vera Figner i Komitet pomošči političeskim katoržanam v Rossii (1909-1917) [Vera Figner und das Hilfskomitee für politische Zwangsarbeiter in Russland, 1909-1917], in: Ežegodnik Doma russkogo zarubež’ja2014-2015, S. 13-19.

Das radikale Milieu im vorrevolutionären Russland, in: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2013, S. 1-16.

«Gospodin Plechanov – filosof, čelovek nauki... Bolee togo, on – čelovek mira.» Dokumenty iz švejcarskich archivov 1889-1894 gg. [“Monsieur Plechanov ist ein Philosoph, ein Mann der Wissenschaft… Mehr noch ist er ein Mann des Friedens.“ Dokumente aus schweizerischen Archiven 1889-1894], in: Istoričeskij archiv, 2 (2012), S. 5-25.

Rossijskie ėmigranty v Švejcarii v konce XIX v. Primer R.M. i G.V. Plechanovych i V.I. Zasulič [Russische Emigranten in der Schweiz am Ende des 19. Jahrhunderts. Das Beispiel von R.M. und G.V. Plechanov sowie V.I. Zasulič], in: Plechanovskie čtenija, Bd. 10, St. Petersburg 2012, S. 159-163.

Literature, the Radical Milieu and Terrorist Action in 19thCentury Russia. The Cases of Vera Figner and Vera Zasulich, in: Jens Herlth/Thomas Austenfeld/Dimiter Daphinoff (Hg.), Terrorism and Narrative Practice, Zürich/Berlin 2011, S. 99-115. 

Tragičeskij konec revoljucionnoj žizni Very Ivanovny Zasulič [Das tragische Ende des revolutionären Lebens von Vera Ivanovna Zasulič], in: Plechanovskie čtenija, Bd. 9, St. Petersburg 2010, S. 24-28.

Radicalism as Political Religion? The Case of Vera Figner, in: Totalitarian Movements and Political Religions, 11 (2010) 1, S. 67-87.

 

Rezensionen bei

  • sehepunkte
  • H-Soz-Kult
  • Neue Politische Literatur
  • Jahrbücher für Geschichte Osteuropas
  • Religion & Gesellschaft in Ost und West
  • Quästor der Schweizerischen Akademischen Gesellschaft für Osteuropawissenschaften (SAGO)
  • The Association for Slavic, East European, & Eurasian Studies (ASEEES)