AkteurInnen der Kommunistischen Jugendinternationale (1919–1943). Politische Mobilität, Organisationspraxis und Handlungsspielräume in der Zwischenkriegszeit.

Ein halbes Jahr nach der Gründung der Kommunistischen Internationale entstand im November 1919 mit der Kommunistischen Jugendinternationale (KJI) ihre offizielle Jugendorganisation. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich die KJI zu einem international ausgerichteten Netzwerk mit eigenen Praktiken, Kommunikationsformen und organisatorischen Strukturen. Das Dissertationsprojekt untersucht die sozialen Handlungsräume und die politische Praxis von AkteurInnen der KJI in der Zwischenkriegszeit.

Im Zentrum steht ein akteurszentrierter Ansatz, der KJI-AkteurInnen nicht als bloße Ausführende von Komintern-Richtlinien versteht, sondern als historische AkteurInnen mit eigenen Handlungsspielräumen, Erwartungen und Deutungen. Dabei geht das Projekt auch der Frage nach, wie junge weibliche Kommunistinnen die Spannung zwischen emanzipatorischen Gleichheitsversprechen und alltäglicher Organisationspraxis erlebten. Frauen waren innerhalb des Apparats häufig in zentralen, aber wenig sichtbaren „technischen“ Tätigkeiten wie Übersetzung, Stenografie und Sekretariatsarbeit tätig. Diese Funktionen ermöglichten oft internationale Mobilität und Nähe zu politischen Entscheidungsprozessen, gingen jedoch zugleich mit begrenzter Anerkennung und eingeschränkten Aufstiegsmöglichkeiten einher. Ein besonderer geografischer Fokus liegt auf Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Auf der Grundlage interner Dokumente, publizierter Materialien, Memoiren und Polizeiakten untersucht das Projekt, wie Mobilität im Rahmen politischer Arbeit, organisatorische Praxis und geschlechtsspezifische Arbeitsteilung zur Herausbildung der kommunistischen Jugendbewegung und des kommunistischen Denkens und Handelns im 20. Jahrhundert beitrugen.

Nach oben