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Der Kaukasus - Konfliktraum und Begegnungsraum in Geschichte und Gegenwart

Aragats from Yerevan

Aragats from Yerevan (Wikimedia Commons)

Öffentliche Ringvorlesung im Frühlingssemester 2026

Der Kaukasus ist eine durch ein imposantes Bergmassiv sowie tektonische Aktivität gezeichnete Region. Wie Kontinentalplatten sind hier in der neueren und neusten Geschichte wichtige politische Akteure immer wieder aufeinandergeprallt. Ab dem siebzehnten Jahrhundert war der Kaukasus Schauplatz für ein seltenes historisches Phänomen, nämlich den Wettstreit dreier Vielvölkerreiche um dasselbe beschränkte Territorium. Die berüchtigte Vielfalt der Bevölkerung des Nord- und Südkaukasus wurde durch ihre wechselvollen Begegnungen mit Imperien geprägt. Für die Menschen waren aber auch lokale Bedingungen und Begegnungen von höchster Bedeutung, wie etwa die gegenseitige Nachahmung kultureller Modernisierung, der Konflikt zwischen nationalistischen Projekten oder die Vision eines utopischen Sozialismus. Der imperiale Wettkampf fand mit der Gründung der Sowjetunion, der Türkei und Pahlawi-Iran zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts sein Ende. Allerdings führte der Zerfall der Sowjetunion, der eng mit den Ereignissen im Kaukasus verquickt war, dazu, dass die Wunden der vergangenen Konflikte in der Region wieder aufgerissen wurden. Das ungelöste Vermächtnis der politischen Geschichte des Kaukasus, ob in Tschetschenien, Südossetien, Nagorno-Karabach sowie in anderen Gebieten, bestimmt bis heute den Fokus westeuropäischer Berichterstattungen über die Region.

In dieser öffentlichen Ringvorlesung kommen Expertinnen und Experten aus der Schweiz und dem Ausland zu Wort, um die komplexe Begegnungsgeschichte dieser Region in der Moderne auf lokaler, nationaler und imperialer Ebene zu beleuchten.

Dienstag, 16:15-18 Uhr
Vesalianum, Grosser Hörsaal (EO.16)

Termine:

17.2.26F. Benjamin Schenk: Einführung
3.3.26Kai Willms: Das Russländische Reich und der Kaukasus
10.3.26Maurus Reinkowski: Das Osmanische Reich und der Kaukasus
17.3.26 Shamil Shikhaliev: From Colonial Conquest to Orientalist Critique: The Soviet Historiography of Daghestan and the 19th-Century Caucasian War
24.3.26Alexander E. Balistreri: The Postwar Republics of the Caucasus: Armenia, Azerbaijan, Georgia, and a Few Others You've (Probably) Never Heard of
31.3.26Elke Shoghig Hartmann: Der Völkermord an den osmanischen Armeniern von 1915: historisches Ereignis, Aufarbeitung, Erinnerung und gegenwärtige Bedeutung
7.4.26Katja Doose: Tektonik der Perestroika: Das Erdbeben in Armenien von 1988
14.4.26Walter Sperling: Der Nordkaukasus in der späten Sowjetunion. Hegemonie und Alltag in der multiethnischen Stadt Grosny
21.4.26 Anna Hodel: Geschichte quer gelesen: Literarische und genderbezogene Perspektiven auf den Südkaukasus von der Sowjetisierung zur Gegenwart
28.4.26Manfred Sapper: Abschied vom 'Nahen Ausland'. Russland und der Südkaukasus
5.5.26Claudia Josi: Archives, Memory and Peacebuilding in the South Caucasus
12.5.26Sopio Kolkhidashvili: Art and Politics, Silence and Resistance - Autonomy, Protest, and the Politics of Art in Post-Soviet Georgia
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