Gegenstand des Projekts ist die Vokalität der frühneuzeitlichen Gesellschaft. Das Projekt setzt sich zum Ziel, den Stellenwert, die Funktion sowie die politische und kulturelle Bedeutung der Stimme als Medium von Öffentlichkeit und Gesellschaft im deutschsprachigen Raum der Frühen Neuzeit (1600–1800) zu untersuchen. Im Zentrum des Interesses steht dabei die Relevanz stimmbasierter Kommunikation und vokaler Akteure für die Konstitution einer frühmodernen Medienöffentlichkeit. Am Beispiel von zeitgenössischen Liedern und Liedflugschriften sollen vokale Medien als intermediale Konstellationen zwischen ephemerer Performanz und Fixierung in Schrift und Druck verstanden werden. Zwei Fallstudien konkretisieren diesen Zusammenhang: Zum einen wird nach der Funktion von Liedern und Liedflugschriften für Informationsvermittlung und Meinungsbildung gefragt, zum anderen nach ihrem Beitrag zur Herausbildung eines zeitgenössischen Geschichtsbewusstseins und historischen Imaginationsraums. Ein drittes Teilprojekt thematisiert die Frage nach vokaler agency in urbanen Räumen und kontextualisiert damit die soziale Funktion von Liedmedien und SängerInnen der frühneuzeitlichen Gesellschaft. Insgesamt zielt das Projekt auf eine mehrdimensionale Analyse von Vokalität in der Medien-, Politik- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit.