Das Ursern - Projekt

Projektarbeit in Andermatt

Das Ursern – Projekt verbindet drei zentrale Dimensionen historischer Arbeit: Sicherung der Überlieferung, wissenschaftliche Forschung, mediale Vermittlung. Es beruht auf der Kooperation dreier Partner, der Korporation Ursern, dem Historischen Seminar der Universität Basel (Prof. Dr. M. Schaffner) und dem Staatsarchiv Uri (Dr. R. Aebersold).

Sicherung der Überlieferung:
In einer ersten Phase befasste sich das Projekt mit der genauen Sichtung, Bewertung und Erschliessung der Bestände im Talarchiv Ursern aus dem Zeitraum von 1800 – 1950. Die Korporation stellte die Infrastruktur zur Verfügung und finanzierte den Aufenthalt der Studierenden. Das Historische Seminar brachte Expertenwissen, studentische Arbeitskraft und Infrastrukturleistungen ein (z.B. EDV Kompetenz). Das Staatsarchiv übernahm die fachliche Begleitung der Archivierungsarbeit. Das Projekt bot den Studierenden in dieser Phase die einzigartige Chance, das Metier der Geschichtsschreibung auf allen Stufen zu erlernen und zu üben. Sie trainierten Fertigkeiten wie das Lesen und Transkribieren alter Schriften und erlernten und praktizierten unter der Leitung erfahrener Archivare die Grundsätze des Archivierens. Die reichhaltigen Bestände des Talarchivs wurden gesichtet, geordnet, bewertet und mithilfe einer eigens dafür geschaffenen Software inventarisiert und sachgerecht archiviert. Diese Arbeiten waren bis auf wenige Ausnahmen Ende 2004 abgeschlossen.

Wissenschaftliche Forschung:
Die wissenschaftliche Auswertung des Archivs (sowie entsprechender Bestände im Staatsarchiv Uri) ermöglicht eine Fülle neuer politik-, sozial - und umweltgeschichtlicher Erkenntnisse.  Sie setzt sich zum Ziel, die Perspektive der schweizergeschichtlichen Forschung auszuweiten von einer nationalgeschichtlichen Optik hin zu einer regional – und mikrogeschichtlichen Orientierung, und dies – als Teil der internationalen Alpenforschung – im Rahmen der europäischen Geschichte. Neuere methodische Ansätze können dabei an bisher nicht erschlossenem Quellenmaterial (Text und Bild) in Forschungen mit einer Langzeitperspektive erprobt und wenn nötig modifiziert werden.
In einer zweiten Projektphase wurden darum eine Reihe von einzelnen Aspekten und Themen der Talgeschichte erforscht. Die Ergebnisse liegen in zehn Seminararbeiten und drei Lizentiatsarbeiten vor. Die Arbeiten sind im Talarchiv archiviert und können dort konsultiert werden. Damit ist die historisch – wissenschaftliche Arbeit im Urserntal aber nicht abgeschlossen. Gegenwärtig befinden sich zwei Lizentiats - und ein Dissertationsprojekt in Planung. Es ist nicht ausgeschlossen, dass im Jahr 2006 weitere Forschungsvorhaben geplant und realisiert werden.
Gegenwärtig untersucht eine Gruppe von Forscherinnen aus dem Botanischen Institut, dem Historischen Seminar und dem Institut für Geoumweltwissenschaften unter der Leitung von Dr. Erika Hiltbrunner (Botanisches Institut) und Prof. Dr. Martin Schaffner (Historisches Seminar) anhand ausgewählter Standorte im Urserntal die Zusammenhänge zwischen dem Wandel agrarwirtschaftlicher Nutzung, den Veränderungen der Vegetation und der Bodenerosion. Mit dem Projekt sollen auch die Möglichkeiten transdisziplinärer Kooperation ausgelotet werden.

Mediale Umsetzung:
Das Ursern – Projekt setzt sich zum Ziel, die Ergebnisse der Projektarbeit regelmässig in geeigneter Weise der Talbevölkerung zu kommunizieren. Diese Kommunikationsarbeit ist nicht als Einwegprozess gedacht, sondern als eine Art Dialog mit der Bevölkerung, welcher der Forschung wesentliche Impulse vermitteln kann. Das Projekt hat darum im Herbst 2004 seine Arbeit an einer Posterpräsentation in Andermatt vorgestellt (die Posters können im Historischen Seminar eingesehen werden).  Ferner hat eine Gruppe von Studierenden zusammen mit Verantwortlichen der Korporation im Talmuseum in Andermatt eine Ausstellung realisiert, die während des ganzen Jahres 2005 zu sehen war. Beides stiess auf grosses Interesse, wie das Echo in den regionalen Medien zeigt. Auch in nationalen Medien hat das Ursern – Projekt  mehrfach Beachtung gefunden.