"Arbeitswelten"

Studienwoche von "Schweizer Jugend forscht" 2009

In Zusammenarbeit mit den anderen Instituten der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Basel bietet das Historische Seminar wieder ein spannendes Programm für die diesjährige geistes- und sozialwissenschaftliche Studienwochen der Stiftung "Schweizer Jugend forscht" an.

Das Thema der Studienwoche 2009: "Arbeitswelten".

Vom  8. bis 14. November 2009 sind Schüler und Schülerinnen der Sekundarstufe II aus der ganzen Schweiz an den Universitäten Basel, Lugano, Luzern und Zürich zu Gast. In Basel arbeiten sie unter Anleitung von erfahrenen WissenschaftlerInnen und Studierenden im Historischen Seminar und den anderen beteiligten Archiven und Instituten in sechs verschiedenen kultur- und sozialwissenschaftlichen Projekten.

Am Ende der Woche präsentieren die Jugendlichen ihre Forschungsergebnisse auf der zentralen Abschlussveranstaltung der Studienwoche in Zürich: Schlusspräsentation am Samstag, 14. November 2009, ab 10:00 Uhr im Raum KOL-F-117 und Foyer West des Hauptgebäudes der Universität Zürich.

Gemeinsam mit dem Archiv für Sozialgeschichte, dem Seminar für Kulturgeschichte und dem Soziologischen Seminar der Uni Basel bietet das Historische Seminar die folgenden Einzelprojekte an.

Auswandern in die USA – harte Arbeit, Weg zum Erfolg?

Auswandern in die USA – heute ist dies vielleicht ein Lebenstraum. Im 19. Jahrhundert war es aber für viele Menschen eine bittere Notwendigkeit. Doch was brauchte es, um als Auswanderer in den USA Erfolg zu haben? Dies wollte die Basler Pilgermissionsanstalt St. Chrischona wissen und führte 1879/80 eine Umfrage unter deutschsprachigen Auswanderern durch. Ziel des Projekts ist es, die 35 im Schweizerischen Wirtschaftsarchiv aufbewahrten handschriftlichen Antwortformulare zu entziffern und auszuwerten. Das Projekt gibt einen hautnahen Zugang zum Lebenswelt und zur Arbeitsituation der Emigranten und ihrer Familien - zur Geschichte und zu den Personen einer Zeit, die uns zugleich vertraut und fremd erscheint.

Projektleitung:
Dr. des Martin Lüpold, Schweizerisches Wirtschaftsarchiv
stud. Phil. Tanja Hammel, Historisches Seminar

 

Schrift, Papier, Druck. Arbeiten rund ums Buch im vormodernen Basel

Schrift, Papier und Druck zählen gemeinhin als wichtige Meilensteine in der Entwicklung kultureller Techniken. Dass diese historischen Errungenschaften an bestimmten Orten funktionalisiert, produziert, verbreitet, gesammelt und überliefert wurden, ist für ihre kulturelle Bedeutsamkeit und gesellschaftliche Wertschätzung ebenso relevant, wie die Techniken ihrer Nutzung selbst. Papiermühlen, Druckerwerkstätten, Verlagssystem und Bibliotheken stellen seit der Renaissance Arbeitswelten dar, in denen diese Erfindungen sozialisiert, überliefert und gesichert werden. Die SchülerInnen werden in der Projektwoche einen Einblick in diese vormodernen Arbeitswelten erhalten, sowie sich mit der Geschichte derselben auseinandersetzen.

Projektleitung:
Dr. Maike Christadler; Ygit Topkaya M.A.; lic. phil. Dorothee Schmidt, Historisches Seminar


Arbeitswelten im 21. Jahrhundert: Subjektive Erfahrungen und Wertvorstellungen

Anhand von fotografischen Porträts und Interviews werden die subjektiven Erfahrungen und Wertvorstellungen von Menschen in ihrem eigenen Arbeits- und Berufsfeld dokumentiert. Es soll dadurch nachvollziehbar werden, wer heute was, wo und warum arbeitet und welche Rolle die Arbeit im eigenen Leben spielt. Aus diesem ethnografischen Material werden dann Texte zu den vorhandenen Fotoporträts formuliert, die die Bedeutung von Arbeit in der heutigen Gesellschaft vorstellen und hinterfragen.

Projeketleitung:
Dr. Sabine Eggmann, Seminar für Kulturwissenschaft

Schöne Neue Arbeits-Welt: Amerikanische Büros in Europa 1930

In der Zwischenkriegszeit zimmerten findige Wissenschaftler aus staubigen Kontoren moderne High-Tech-Büros. Sie importierten amerikanische Erfindungen wie Schreibmaschinen, Stehordner, Karteien, elektrisches Licht und revolutionierten die Arbeitsumgebungen von Beamten und Sekretärinnen. Welche Auswirkungen dieser Technologietransfer auf die Arbeitswelt von Angestellten mit sich brachte, untersucht das Projekt anhand der ersten Internationen Büro-Fachausstellung, die 1928 in den Hallen der Mustermesse Basel stattgefunden hat.

Projektleitung:
Lic.phil. Stefan Nellen, Historisches Seminar

Schweizer Fotojournalismus in Krisen- und Kriegsjahren

Die Teilnehmer untersuchen die Arbeitswelt(en) der schweizerischen Fotoreporter in den späten 30er und frühen 40er Jahren des 20. Jahrhunderts und arbeiten intensiv mit Negativen und Schwarz-Weiss-Abzügen aus dem Bestand des ATP-Bilderdienstes. Damit einhergehend wird die Frühphase einer der ersten Schweizer Bildagenturen beleuchtet. Mit Hilfe weiterer Quellen und Fachliteratur eröffnet sich zudem die Möglichkeit, die Entwicklung des Schweizer Fotojournalismus in den Krisen- und Kriegsjahren zu reflektieren.

Projektleitung:
Stud.phil. Mirco Melone, Historisches Seminar und Staatsarchiv Aargau

Basel von unten

Basel von unten" ist eine Portrait-Serie (verfasst vom Soziologischen Institut Uni Basel), welche Menschen am  unteren Ende des sozialen Spektrums portraitiert. Die möglichen Gründe für soziale Randständigkeit sind vielfältig: Arbeitslosigkeit, Migration, Drogen, Krankheit, Verschuldung etc. Nach diesem Vorbild soll während der Projektwoche von den SchülerInnen versucht werden, selbst das Portrait eines Menschen zu erstellen, dem es finanziell nicht so gut geht. Die Perspektive des Befragten steht dabei im Vordergrund, nach Möglichkeiten ergänzt durch Hinzunahme weiterer Informationen, welche helfen, das Persönliche im gesellschaftlichen Zusammenhang zu begreifen.

Projektleitung:
Lic. phil. Simon Mugier, Institut für Soziologie.