"Grenzen und Grenzüberschreitungen"

Studienwoche "Schweizer Jugend forscht" 2008

Das Historische Seminar Basel beteiligt sich am Pilotprojekt der neuen interdisziplinären geistes- und sozialwissenschaftliche Studienwochen der Stiftung "Schweizer Jugend forscht", die unter der Themenstellung "Grenzen und Grenzüberschreitungen" steht.

Vom  26. Oktober bis 1. November 2008 sind Schüler und Schülerinnen aus der ganzen Schweiz am Historischen Seminar zu Gast. Sie arbeiten unter Anleitung von erfahrenen HistorikerInnen und Studierenden im Seminar und in den beteiligten Archiven und Institutionen in fünf verschiedenen kulturwissenschaftlichen und interdisziplinären Projekten.

Am Ende der Woche präsentieren sie ihre Forschungsergebnisse auf der zentralen Abschlussveranstaltung der Studienwoche in Zürich: Schlusspräsentation am Samstag, 1. November 2008 an der Universität Zürich (Raum  KO2-F-150, Stockwerk F)

Gemeinsam mit dem Institut für Jüdische Studien und der Firma Life Science bietet das Historische Seminar die folgenden Einzelprojekte an:

Wissenschaftliche Grenzüberschreitungen - Im Archiv des Labors

Historisch-biologische Untersuchung von Jura-Quellwasser

Zwischen 1865 und 2003 lieferten Quellen in den südlich von Basel gelegenen Juragebieten Wasser für die Versorgung der Stadt. Neben der über 10 Kilometer langen Wasserleitung, den Filteranlagen und dem ersten Reservoir sind vor allem die Quellen Zeugnisse einer auf Nachhaltigkeit und Ressourcenfeffizienz ausgerichteten Wasserversorgung. Das Projekt wird in Kooperation mit der Firma Life Science AG durchgeführt und untersucht die Geschichte dieser Quellen aus sowohl biologischer wie auch historisch-kulturwissenschaftlicher Perspektive. Wie haben sich die Qualität des Wassers einerseits und die Wahrnehmung und Bestimmung dieser Wasserqualität andererseits zwischen damals und heute verändert? Beeinflusst die Nutzung, bzw. Fassung der Quellen die Beschaffenheit des Wassers? Literaturanalysen, Recherchen schriftlicher Originalquellen im Staatsarchiv Basel, in mikrobiologische Laboranalysen und eine Begehung der Quellen sind Bestandteile der fach- und disziplinenübergreifenden Arbeit.

Prof. Dr. Martin Schaffner, Historisches Seminar Basel
lic. phil. Stefan Nellen, Historisches Seminar Basel
Daniel Küry, Fa. Life Sciences

Grenzen und Grenzüberschreitungen - Vom Leben zum Tod ins (ewige) Leben

Jenseits und Jenseitsvorsorge im Mittelalter

Keine Grenze ist schrecklicher als die Grenze zwischen Leben und Tod. Denn es gibt nur eine Richtung, diese Grenze zu überschreiten. Und dennoch haben in allen Epochen die Menschen die religiöse Hoffnung nie aufgegeben, dass diese Grenzüberschreitung vom Leben zum Tod irgendwann einmal ihre Endgültigkeit verlieren wird und am Ende aller Tage ein neues Leben möglich wird: ein ewiges Leben. Doch den Gewinn des ewigen Lebens gibt es nicht umsonst, es will im Leben vor dem Tod verdient werden. Im Mittelalter bildete sich dafür ein komplexes System der Jenseitsvorsorge durch Stiftungen, Ablässe und gute Werke, die Rettung vor dem endgültigen Tod in der Hölle versprach, aus. Ausgehend von mittelalterlichen Original-Urkunden aus dem Staatsarchiv Basel werden die Strategien der Sorge um das eigene Seelenheil in diesem Projekt erforscht und ergänzt durch Bilder und weitere theologische Texte einen Einblick in die Mentalität mittelalterlicher Menschen gewonnen.

Dr. phil. Gunnar Mikosch, Historisches Seminar Basel

Basel als Grenzstadt

Ein Zeitzeugeninterview zum Zweiten Weltkrieg

Die ProjektteilnehmerInnen werden eine Zeitzeugin zu ihren Erinnerungen über Basel als Grenzstadt während des Zweiten Weltkrieges befragen. Sie werden den historischen Kontext zu diesem Interview anhand von Literatur und Dokumenten erarbeiten. Ziel der Projektwoche ist es, das Interview geschichtswissenschaftlich auszuwerten mit der Frage, welche Bedeutung Zeitzeugeninterviews (Oral-History) für die historische Forschung haben.

Dr. phil. Erik Petry, institut für Jüdische Studien
stud. phil Anna Liesch und Aline Masé, Historisches Seminar Basel

Stadtbilder, Stadtmauern, Stadtgenzen

Urbane Pläne und Visionen im 19. Jahrhundert

Die Studienwoche behandelt Stadtbilder im 19. und frühen 20. Jahrhundert, wie sie sich in den grossen, städtebaulich bedeutsamen Planungs- und Bauprojekten manifestiert haben. Zeitgenössische Vorstellungen von städtischem Raum und von städtischen wie innerstädtischen Grenzen spiegelt sich in Vorhaben wie dem Abbruch von Befestigungsanlagen, der Errichtung von öffentlichen Repräsentationsbauten, städtischen Wohnanlagen, Denkmälern, Industrieanlagen aber auch Verkehrsprojekten oder Naturinszenierungen. Als Quellen stehen bildhafte Dokumente (Fotos, Skizzen, Pläne etc.) im Mittelpunkt, ergänzt durch die Akten zu den jeweiligen Planungs- und Bauprojekten.

PD. Dr. Martin Lengwiler, Historisches Seminar Basel

Stud. phil. Felicitas Schaub, Historisches Seminar Basel