Imperial Subjects

Autobiographische Praktiken und historischer Wandel in den Kontinentalreichen der Romanovs, Habsburger und Osmanen (Mitte 19.–frühes 20. Jahrhundert)

Nationalfonds-Projekt von Prof. Dr. Frithjof Benjamin Schenk, Prof. Dr. Martin Aust und Prof. Dr. Maurus Reinkowski


Das Forschungsprojekt (Universität Basel /LMU München) befasst sich mit dem Wechselverhältnis von autobiographischer Praxis und historischem Wandel im Russischen Reich, in der Habsburgermonarchie sowie im Osmanischen Reich im Zeitalter der anbrechenden Moderne. Ziel ist es, neuere Ansätze der Biographie- und Autobiographie-Forschung für die vergleichende Imperienforschung fruchtbar zu machen und die Vielvölkerreiche des östlichen Europa als Kommunikationsräume imperialer Reflexivität in den Blick zu nehmen. In allen drei Imperien lässt sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Zunahme autobiographischen Schreibens und Publizierens beobachten. Wie, so soll untersucht werden, korrespondierten diese Kennzeichen sich differenzierender Subjektkulturen mit dem tiefgreifenden historischen Wandel, der alle drei Großreiche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfasste: Nationale und revolutionäre Bewegungen sowie territoriale Expansion im Russischen Reich und der Habsburgermonarchie bzw. die Bedrohung territorialer Integrität im Osmanischen Reich warfen Fragen nach der Zukunft imperialer Herrschaft auf. Umfassende innenpolitische Reformen („Grosse Reformen“ (1860er/70er Jahre) sowie die konstitutionelle Wende 1905/06 im Russischen Reich), der österreichisch-ungarische „Ausgleich“ (1867) oder die „Tanzimat“ im Osmanischen Reich (1839ff.) gingen Hand in Hand mit dem politischen Aufstieg neuer sozialer Schichten. Neue regionale Zentren gewannen im Zuge der Industrialisierung und Urbanisierung an Bedeutung. Die fortschreitende Globalisierung auf den Feldern der Wissenschaft, Ökonomie und Kommunikation machte eine Neupositionierung imperialer Eliten auch auf internationaler Bühne notwendig. – Das Forschungsvorhaben fragt danach, wie imperiale Eliten diese historischen Umbrüche in autobiographischen Texten reflektiert und mit Erzählungen über ihr eigenes Leben verknüpft haben. Dafür werden autobiographische Praktiken als Akte sozialer Kommunikation gelesen und Selbstzeugnisse nach Interpretationen imperialer Herrschaft, nach Wahrnehmungsmustern imperialer Räume sowie der Wirkungsmächtigkeit konkurrierender Konzepte kollektiver Identität befragt.

 

Nähere Informationen zum Forschungsprojekt finden Sie auf der Bereichsseite der Osteuropäischen Geschichte