PD Dr. Peter Huber

Privatdozent für Neuere Allgemeine und Schweizergeschichte
peter.huber-at-unibas.ch

Forschungsschwerpunkte:

Aktuelles

Neuerscheinung:

Peter Huber, Fluchtpunkt Fremdenlegion. Schweizer im Indochina- und im Algerienkrieg, 1945-1962, Zürich, Chronos, 2016, 320 S., 59 Abb.

Junge Männer, die freiwillig in einen Krieg ziehen, stehen heute erneut in den Schlagzeilen. Bereits in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg sind 2'200 Schweizer trotz Verbot der Fremdenlegion beigetreten, um als Speerspitze der Grande Nation fern von Europa das französische Kolonialreich zu retten. Deren Wegzug wirft neues Licht auf die Schweizer Nachkriegsgesellschaft mit ihren «Verlierern»: ein wegzugbereites männliches Milieu, ungebunden, den untersten sozialen Schichten entstammend, mit schwacher Ausbildung, viel Erfahrung in Anstalten oder als Verdingend und einem Vorstrafenregister mit vielen «Armutsdelikten», Einträge, die ein Vorwärtskommen in der Schweiz erschweren.

Die Suche nach Glück und Erlebnis fernab von der Schweiz endet in einem militärischen Verband, der aus ehemaligen Rebellen, die in der Schweiz mit Gesetzen kollidierten, folgsame Legionäre formt, die in der neuen Heimat Legion aufsteigen und diese zweite Lebenschance packen, um zu reüssieren. Das Buch dokumentiert die Sicht des Legionärs auf die «Eingeborenen», der Umgang mit Sexualität (Truppenbordelle, «Heirat auf Zeit») und die Verarbeitung bzw. das Wegschauen vor Folter und Kriegsverbrechen. Ein hoher Prozentsatz von Legionären desertiert: Grund dafür sind weniger politische oder moralische Überlegungen zum Einsatz gegen einen Feind, den man nicht kennt und der ihnen nichts angetan hat, als Angst vor einer Disziplinarstrafe.

Wer in die Welt der Legionäre eintaucht, stösst auf die Armut in der Schweiz, auf die Ausgestossenen, auf die Entrechteten, auf die administrativ Versorgten, die wie Parias parallel zur sich entwickelnden Wohlstandsgesellschaft überleben und vom Fluchtpunkt Fremdenlegion träumen. Die damalige Kolonialmacht Frankreich vermochte die Ausweglosigkeit dieser männlichen Rand- und Unterschichten skrupellos für ihre Ziele zu instrumentalisieren. Sie hat deren «rage de vivre» für ihre Kolonialpolitik in Indochina und Nordafrika umgepolt und eingespannt. Sie hat die Schwachen, Entwurzelten und Ausgestossenen Europas als Speerspitze im Kamf gegen die Schwachen in den Kolonien eingesetzt. Fahnenflüchtige oder Rückkehrer, die die französische Kriegsführung anprangerten, waren Ausnahmeerscheinungen und Sand im Getriebe einer Maschinerie, die sich heute zu einer hochtechnisierten, schlanken, schnellen Eingreiftruppe gegen Djiadisten gewandelt hat.

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Forschungsschwerpunkte

Forschungsprojekte:

2016-2018:
"Traîtres ou héros? Les Suisses dans la Résistance, 1940-1944"

2011-2013:
"Schweizer Fremdenlegionäre im Indochina- und im Algerienkrieg, 1945-1962"

Aktuelle Publikationen

Huber, Peter: Der Traum von Exotik, Frauen und Aufstieg: Schweizer Legionäre im Indochina- und im Algerienkrieg, in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte , 2017, H. 2, S. 206-229.
Huber, Peter: Fluchtpunkt Fremdenlegion. Schweizer im Indochina- und im Algerienkrieg, 1945-1962, Zürich 2016. edoc

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