Einführungskurs - Ihr Start ins Geschichtsstudium

Der Einführungskurs ist die einzige echte Pflichtveranstaltungen Ihres Geschichtsstudiums. Er bildet Ihren Einstieg ins Studium und die Vorraussetzung für den späteren Besuch der Proseminare. Sie sollten ihn daher unbedingt im ersten Semester absolvieren. 

Trotz der coronabedingten Einschränkungen können wir Ihre Einführungskurse als "richtige" Präsenzveranstaltungen anbieten. Mit der wichtigste Effekt des Kurses ist für uns, dass Sie sich untereinander kennenlernen, Gruppenarbeit erproben und sich mit dem Unibetrieb - der ja immer auch ein kommunikativer und sozialer ist - vertraut machen können. Nicht zuletzt deshalb arbeiten unsere Dozierenden im Tandem mit eine*r studentischen Tutor*in zusammen, die einzelne Kurselemente unternimmt und für Ihre Fragen ansprechbar ist.

Der EK wird einen grossen Teil Ihrer Zeit im ersten Semester in Anspruch nehmen. Er umfasst fünf Semesterwochenstunden an Präsenzunterricht und eine weitere Zeit für Vorbereitung und Nachbereitung. Die jeweiligen Kurse organisieren ihre Zeiten unterschiedlich - in Kursblöcken, Tutoratsstunden, Besuchen von Bibliotheken und Archiven, Blocktagen, Arbeitsgruppensitzungen, Exkursionen und anderem. Am Ende umfassen aber alle Kurse denselben Aufwand und die selben Studienleistungen.

Auch das Lernziel ist in allen Kursen dasselbe: Sie in die Arbeitstechniken der Geschichtswissenschaft einzuführen und Ihnen das Handwerkszeug zu vermitteln, das Sie dann über viele Semester anwenden und weiter entwickeln werden - das (kritische) Lesen wissenschaftlicher Texte, die unterschiedlichen Arten von Fachliteratur, Recherchetechniken, den Umgang mit geschichtswissenschaftlichen Quellen, das Schreiben von Texten, die unterschiedlichen Methoden und Perspektiven der Geschichtswissenschaft und vieles mehr.

Dieser Lernprozess erfolgt nicht in Trockenübungen. Die sieben Einführungskursdozierenden haben jeweils einen Kurs aus ihrem Interessens- und Forschungsgebiet gestaltet, der Ihnen diese Techniken mit den spezifischen Quellen, Arbeitsformen und Methoden ihrer Epoche oder ihres räumlichen Bereichs vermittelt. Weiter unten stellen sich die sieben Kurse des Herbstsemesters kurz vor.

Die Einteilung der Einführungskurse

Die Vergabe der Plätze in den Einführungskursen erfolgt durch uns nach einem Wahlverfahren.Wir bitten Sie, drei Kurse anzugeben, an denen Sie teilnehmen wollen - Nennen Sie uns Ihren Lieblingskurs sowie noch eine zweite und möglichst auch dritte Priorität. Achtung: Die Teilnahme an allen Kurselementen ist verpflichtend. Stellen Sie also vor der Auswahl sicher, dass alle Termine in ihrem Stundenplan Platz haben.

Bitte geben Sie Ihre Anmeldung für die Einführungskurse bis spätestens Donnerstag, 10. September 2020 unter dem folgenden Link ein. Am Abend des Freitag, 11. September, erhalten Sie verbindliche Rückmeldung, in welchem der Einführungskurse Sie aufgenommen sind.

Alle Kurse starten in der zweiten Woche des Semesters und finden im Seminarraum 1 im Erdgeschoss statt.


Die Einführungskurse im Herbstsemester 2020


Die Massen in der Geschichte: Soziale Bewegungen und politische Imaginationen im 19. und 20. Jahrhundert (Einführungskurs Neuere / Neueste Geschichte)

Dozent: Mischa Suter
Tutorat: Judit Pechr

Die Revolutionen in Frankreich und St. Domingue (heute Haiti) brachten die Frage der Volkssouveränität in neuer Weise auf das politische Tapet. Knapp gesagt: Seither bestimmen die Massen die Geschichte, nicht nur als materielle Macht – etwa durch Revolten, wie sie in vormoderner Zeit ebenfalls vorkamen –, sondern auch als politischer Vorstellungsraum. Die „Gleichen“ und „Vielen“ fungierten zum einen als Fluchtpunkt für Vorstellungen moderner Demokratie im 19. und 20. Jahrhundert. Zum anderen bündelten sich im Begriff „Masse“ Ängste und Bedrohungsszenarien. Und schliesslich entwickelten staatliche Autoritäten spezifische Techniken zum Management von Bevölkerungen: Regimes der Seuchenbekämpfung, der Kontrollierung von Aus- und Einwanderung, der Steigerung und später der Kontrollierung von Geburten. In all diesen Politikformen spielten als Menschenmassen als gesellschaftliche Kraft und als Vorstellungsraum eine zentrale Rolle.

Zeit: Dienstags 14:15 - 18:00 Uhr

Zusatztermine: 20. November 2020, 9:00-16:00 (Exkursion nach Zürich)

Mehr Informationen im Vorlesungsverzeichnis


Die Welt als Ausstellung: Europa und die Inszenierung der bekannten Welt im langen 19. Jahrhundert (Einführungskurs Neuere / Neueste Geschichte)

Dozentin: Meike von Brescius
Tutorat: Julie Bisang

Dieser Einführungskurs in die Moderne beschäftigt sich mit dem Welt- und Selbstverständnis Europas und Nordamerikas im 19. und frühen 20. Jahrhunderts, und zwar durch die Linse der größten kulturellen Massen- und Medienereignisse der Zeit: den Weltausstellungen.
Im Jahr 1851 eröffnete im Hyde Park in London die Great Exhibition of the Works of Industry of all Nations. Mit der spektakulären Stahl- und Glas-Konstruktion (dem Kristallpalast) begann ein Zeitalter, in dem auf internationalen, mehrmonatigen Ausstellungen stets die neuesten industriellen, wissenschaftlichen und kulturellen Produkte aus aller Welt präsentiert wurden. Doch nicht nur der Stand der Technik, Patente und Konsumgüter wurden hier zum Vergnügen und zur Belehrung der Besucher und Experten aufgebahrt; auch ferne Kulturen und Kolonien wurden „in Miniatur“ für eine breite Öffentlichkeit erfahrbar gemacht. Dazu wurden Einwohner aller Erdteile, Schauspieler, Tempel, Tiere, Fortbewegungsmittel, Waffen, Tänze und Gesänge zu immer elaborierteren und aus heutiger Perspektive teils verstörenden Kollagen und Inszenierungen versammelt. Der europäische Blick auf die Welt wurde von Impresarios, Künstlern und Schaustellern aufwändig orchestriert. Die Weltausstellungen bieten so Historikern reiches Quellenmaterial um Kunst und Kommerz, Macht und Ohnmacht der Dargestellten, Wissen und Verblendung, kurzum: die Konflikte und Widersprüche der Zeit genauer zu untersuchen.

Zeit: Donnerstag 14:15 - 17:30 Uhr

Zusatztermine: 30. Oktober 2020, 9:00-16:00 (Exkursion nach Lausanne); 10. Dezember 2020, 14:00-18:30 (Mini-Konferenz). 

Mehr Informationen im Vorlesungsverzeichnis


Europa im 15. Jahrhundert (Einführungskurs Mittelalter)

Dozentin: Ruth Maximiliane Berger
Tutorat: Jaël Steiner

Das fünfzehnte ist das "Cinderella"-Jahrhundert: Lange im Niemandsland zwischen Noch-nicht-Neuzeit und Spätherbst des Mittelalters versunken, wurde es inzwischen als Zeit dynamischen Wandels, hoher Mobilität und intensiven Austauschs (wieder)entdeckt. Wir werden in diesem Einführungskurs Streifzüge durch ein mittelalterliches Europa unternehmen, das sich zu weltumspannenden Entdeckungsfahrten anschickt, sich aber auch im Krieg gegen Türken und die letzten muslimischen Herrschaften auf der Iberischen Halbinsel abgrenzt. Dabei begegnen uns bluttriefende Formen von Frömmigkeit in Brandenburg, rauschende Feste in Burgund, Bankrotteure in Brügge, alternative Familienmodelle in Freising, abgesetzte Herrscher in Hertfordshire und geduldige Gesandte in Graz.

Die kontrastreiche Vielfalt dieses Jahrhunderts dient uns im Einführungskurs dazu, verschiedene Ansätze und Themenstränge der Geschichtswissenschaften mit ihren je eigenen Bildern des 15. Jahrhunderts und seiner Epochengrenzen kennenzulernen. Zugleich erlernen wir grundlegendes hilfswissenschaftliches Handwerkszeug und üben Techniken wissenschaftlichen Arbeitens ein, u.a. die Literaturrecherche, wissenschaftliches Lesen und Zitieren, Textkritik, Paläographie und Datierung.

Zeit: Montag, 12:00-13:00 und Mittwoch, 14:15-18:00

Zusatztermine: Donnerstag, 1. Oktober 2020, 8:30-10:00 (Führung Universitätsbibliothek Basel); Mittwoch, 28. Oktober 2020, ab 9:00 (Führung Staatsarchiv Basel); Donnerstag, 12. November 2020 (Exkursion nach Bern)

Mehr Informationen im Vorleszungsverzeichnis


Glaube und Häresie. Religiöse Praktiken und Politik im frühneuzeitlichen Europa (1500-1650) (Einführungskurs Frühe Neuzeit)

Dozent: Arno Haldemann
Tutorat: Tim Buser

Dieser Einführungskurs widmet sich der Kulturgeschichte religiöser Praktiken zwischen Glauben und Häresie in der Frühen Neuzeit von ca. 1500 bis 1800. Die diesem Einführungskurs zugrunde liegende These lautet: Das Handeln frühneuzeitlicher Akteure war grundlegend von religiösen Sinnbezügen bestimmt und lässt sich folglich nur mit Bezugnahme auf religions- und glaubensgeschichtliche Hintergründe historisch spezifisch deuten. Kultur, Wirtschaft und Politik waren während der gesamten Frühen Neuzeit unentwirrbar mit Glauben und Religion verwoben. Daher waren letztere auch stets Gegenstände obrigkeitlich-kirchlicher Normierungsanstrengungen. In diesem Sinn schreibt Richard van Dülmen: «Religion war einerseits eng mit dem Leben im Haus, in der Gemeinde und der Ständegesellschaft verknüpft», umfasste also alle frühneuzeitlichen Lebensbereiche, «andererseits bestimmte sie alle kulturellen Prozesse der Zeit mit und bildete eine entscheidende Grundlage jeder Herrschaft, wie des frühmodernen Staatswesen überhaupt.» Religion stand am Ausgang der «Ordnung des Lebens» (van Dülmen, 1999). Die Glaubenspolitik von Kirche und Obrigkeit – verstanden als religiöses Ordnen – produzierte sowohl Rechtsgläubigkeit als auch davon abweichende Häresie. In diesem Einführungskurs spüren wir der Produktion und Praxis von Frömmigkeit und deviantem Glauben, Magie sowie Aberglaube in Reformation, Konfessionalisierung und Aufklärung nach. Dadurch lernen wir einerseits spezifisches Quellenmaterial und grundlegende religionsgeschichtliche Entwicklungen im Europa der Frühen Neuzeit aus kulturhistorischer Perspektive kennen. 

Zeit: Freitags 10.15-12.00 und 14.15-16.00

Zusatztermine: Jeweils Freitags am 2. Oktober 2020, 9:00-9:45 (Führung Departementsbibliothek); 16. Oktober 2020, 8:15-10:00, (Führung Universitätsbibliothek); 16. Oktober 2020, 16:00-18.00 (Frauenstadtrundgang "Hexenverfolgungen"); 30. Oktober 2020, 8:00-17:30, (Exkursion nach Porrentruy); 13. Nobember 2020, 14:30-15:00 (Münsterführung).

Mehr Informationen im Vorlesungsverzeichnis


Konstantin der Grosse (Einführungskurs Alte Geschichte)

Dozentin Proseminar: Sarah Bühler
Dozent Übung: Lukas Thommen
Tutor: Jason Kambouris

Der Einführungskurs der Alten Geschichte besteht aus drei separaten Elementen:

Der Proseminarteil behandelt die Regierungszeit von Konstantin dem Grossen (*270/288; † 337 n.Chr.), die als Beginn der Spätantike gilt - eine faszinierende Übergangszeit zwischen der Antike und dem Frühmittelalter. Sie war geprägt von Umbrüchen: Konstantin I. liess die Verwaltung des Reiches, das immer noch Gebiete von Britannien über Nordafrika bis nach Ägypten und das Schwarze Meer umfasste, neu aufstellen, er führte eine neue Währung (den soldius) ein, liess die militärische Reformen umsetzen und wendete sich dem Christentum zu.Wir fragen uns, welchen Reiz diese neue monotheistische Religion für den Kaiser darstellte und welche Herausforderungen deren Unterstützung durch den Regenten mit sich brachte, wie sich das Verhältnis zwischen dem Staat und der Institution der christlichen Kirche veränderte und welche Rolle das Konzil von Nicäa im Jahr 325 bei all dem spielte.

Im Übungsteil werden theoretische Ansätze zur Geschichtswissenschaft behandelt und aktuelle Zugänge zur Geschichte, insbesondere der Alten Geschichte vermittelt.

Das Tutorat konzentriert sich auf die Arbeitsinstrumente der HistorikerInnen, von der Recherche von Forschungsliteratur über den Umgang mit Handbüchern und Textdatenbanken, Quellen- und Textlektüre, Exzerptionstechniken bis zum Einüben mündlicher Präsentationen und schriftlicher Arbeiten. 

39251 - Einführungskurs: Alte Geschichte. Konstantin der Grosse (Sarah Bühler).

38127 - Einführungskurs: Alte Geschichte. Theorien und Methoden der Geschichtswissenschaft (Lukas Thommen)

45341- Einführungskurs: Alte Geschichte: Arbeitstechniken (Tutorat mit Jason Kambouris)

Termine: 
Proseminar: Mittwochs 10:15 - 12:00 Uhr
Tutorat: Mittwochs 12:15 - 13:00
Übung: Mittwochs 14:15-16:00 Uhr

Zusatztermine: keine


Russland und die Schweiz. Eine Beziehungs- und Verflechtungsgeschichte (Einführungskurs Osteuropäische Geschichte)

Dozent: Boris Belge
Tutorat: Sarah Evison

Viele Schweizerinnen und Schweizer flohen im 18. und 19. Jahrhundert vor Armut und Hunger in das Russländische Reich, wo sie teilweise bis heute bestehende Manufakturen und Betriebe eröffneten. Lenin begann seine Fahrt zur Weltrevolution im Bahnhof Zürich. Die ersten Hochschulabsolventinnen Russlands hatten in der Schweiz studiert. Und im Ukrainekrieg war und ist die Schweizerische Eidgenossenschaft ein wichtiger Kommunikationskanal und Verhandlungsraum. Die Beziehungsgeschichte zwischen Russland und der Schweiz ist aufregend und vielfältig. Im Einführungskurs werden wir entlang ausgewählter Themen Werkzeuge und Theoren der Neueren und Neuesten Geschichte, insbesondere der osteuropäischen Geschichte erlernen und einsetzen.

Zeit: Donnerstag 8:15 - 12:00 Uhr

Zusatztermine: Freitag, 30. Oktober 2020, 9:00-17:00 (Blocktag)

Mehr Informationen im Vorlesungsverzeichnis


«Überfremdung!» Geschichte eines antisemitischen Konzepts im Spiegel der schweizerisch-jüdischen Geschichte (Einführungskurs Neuere / Neueste Geschichte)

Dozent: Erik Petry
Tutorat: Nadine Stampfli 

Kaum ein Ausdruck aus der Schweizer Geschichte hat eine solche „Karriere“ als Kampfbegriff gemacht, wie der 1900 vom Zürcher Armensekretär Carl Schmid geprägte Begriff der „Überfremdung“, vor der sich die Schweiz in Acht nehmen müsse. Obwohl zu Beginn nicht gegen Juden und Jüdinnen gedacht, wurde das Konzept der Überfremdungsabwehr ein antisemitisches Dispositiv. Wir werden im Kurs analysieren, wie es dazu gekommen ist, und uns Phänomene aus der Schweizerisch-Jüdischen Geschichte herausnehmen, um die Wirkung und Nichtwirkung des Konzepts anzuschauen. Untersuchen werden wir z.B. den „Zwetschgenkrieg“ 1802, die Debatten um die Emanzipation der Jüdischen Bevölkerung, das Schächtverbot, die Flüchtlingspolitik im Zweiten Weltkrieg, aber auch die Gründung Jüdischer Gemeinden in der Schweiz, den Synagogenbau und die Entwicklung jüdischer Kultur- und Sportvereine.

Zeit: Montag 10:15 - 13:00 Uhr

Zusatztermine: Montag, 26. Oktober 2020 (Exkursion ins Surbtal); Freitag, 6. November 2020, 12:00-18:00 (Blocktag); Samstag, 7. November 2020, 8:00-18:00 (Blocktag)

Mehr Informationen im Vorlesungsverzeichnis

Studienadministration

Studienadministration Geschichte
Departement Geschichte
Hirschgässlein 21
4051 Basel