Die Imagination eines 'helvetischen Mittelalters' zwischen Klassizismus und Historismus

Im Zentrum der Untersuchung stehen die Sammlung helvetischer mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Glasmalerei des Dessau-Anhaltinischen Fürsten Franz (1740–1817), die Privatisierungsgeschichte des Basler Münsterschatzes sowie der sog. Klosterhof des Prinzen Carl von Preussen (1801–1883), ein «modernes» Konstrukt aus mittelalterlichen Spolien. Anhand dieser Themenfelder sollen widersprüchliche Projektionsinteressen gegenüber dem Mittelalter bzw. einem als Mittelalter apostrophierten Segment der Vor- und Frühmoderne herausgearbeitet werden.

Durch die Kombination historischer, kunsthistorischer sowie bild- und medienanalytischer Methoden soll das Paradigma der Rezeptionsgeschichte am Beispiel mittelalterlicher Sammlungsbestände, eines Personalmythologems und ihrer Rolle im ausgehenden 18. sowie des 19. Jahrhunderts weiterentwickelt und durch eine Projektionsgeschichte ergänzt werden. Das Projekt bewegt sich in Forschungskontexten, die sich mit dem Gebrauch der mittelalterlichen Geschichte sowie des Humanismus in der hybriden Überschneidung als Legitimationsfaktoren europäischer und nationaler Identitätsbildung beschäftigen und darüber hinaus mit der kulturanalytischen Historismusdebatte.

 

Mendikantische Bildkulturen des Mittelalters

Im Mittelpunkt stehen die Strategien der dominikanischen Bilderpolitik als integratives Konzept von Heiligkeit. Diese Strategien werden in ihrer Anlehnung und Absetzung zu denen der anderen Bettelorden untersucht. Bedeutungsordnungen des Bildes werden in Text- und Bildinteraktio­nen im Kontext der Ordenspolitik in den Blick genommen. Dabei gilt ein besonderes Augenmerk Genealogiekonstrukten und Gruppenbildlichkeiten.