09 Nov 2018
18:00 - 20:00

Kollegienhaus der Universität Basel, Hörsaal 118

Umkämpfte Vergangenheit? Kritische Erinnerung und Geschichtspolitik im heutigen Russland.

Podiumsdiskussion mit Irina Scherbakowa im Rahmen des Forschungskolloquium der Osteuropäischen Geschichte
OEG

Bereits vor dem Ende der Sowjetunion begann in Russland eine neue Ära im Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Vormals verschlossene Archive wurden geöffnet, frühere Tabuthemen öffentlich und kontrovers diskutiert. Insbesondere die Aufarbeitung der Stalinzeit und die Schrecken des ‘Grossen Vaterländischen Krieges’ standen dabei im Fokus. Seit dem Amtsantritt von Präsident Putin im Jahr 2000 wird Geschichte in Russland wieder systematisch in den Dienst des Staates gestellt. Gesellschaftliche Freiräume der kritischen Erinnerung schliessen sich immer mehr.

Mit der Historikerin, Journalistin und Kulturwissenschaftlerin Irina Scherbakowa möchten wir diskutieren, wie in der heutigen russischen Gesellschaft mit der eigenen Vergangenheit umgegangen wird. Welche staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure prägen die Debatte? Welche Freiräume bleiben zivilgesellschaftlichen Kräften nach dem NGO-Gesetz von 2012, das viele Organisationen als «ausländische Agenten» abstempelt? Wie wird Geschichte an Schulen vermittelt und welchen Bezug hat die nach 1991 geborene Generation zur sowjetischen Vergangenheit?

Irina Scherbakowa ist Koordinatorin des russischen Geschichtswettbewerbs für Jugendliche, der von der Menschenrechtsgesellschaft «Memorial» seit 1999 jährlich ausgerichtet wird. Bereits Ende der siebziger Jahre sammelte sie Tonbandinterviews mit Opfern des Stalinismus. Sie ist Professorin für Zeitgeschichte an der Moskauer Afanassjew-Universität und gehört dem Kuratorium der Gedenkstätte Buchenwald in Weimar an. Scherbakowa ist Autorin zahlreicher Publikationen zum Thema Geschichtspolitik und Erinnerung im postsowjetischen Russland.


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