CfP: 24. Tagung des AK, 1.-3. November 2018: Geschlechtergeschichte der Frühen Neuzeit

Die jährlichen Treffen des Arbeitskreises "Frauen- und Geschlechtergeschichte der Frühen Neuzeit" bieten eine Plattform zur Präsentation und Diskussion aktueller Forschungsarbeiten.

Ökonomie - Geschlecht - Recht

Gender ist heute in vielen Feldern der Frühneuzeit-Forschung eine wichtige analytische Kategorie. Die jährlichen Treffen des Arbeitskreises "Frauen- und Geschlechtergeschichte der Frühen Neuzeit" bieten eine Plattform zur Präsentation und Diskussion aktueller Forschungsarbeiten. Sie bieten zugleich einen Ort, um Arbeiten der verschiedenen Forschungsfelder miteinander zu konfrontieren und so die methodische, konzeptuelle und theoretische Auseinandersetzung voranzutreiben. Obwohl von Historikerinnen organisiert, sind die Treffen auch ein Ort für Inter- und Transdisziplinarität, freuen wir uns über die Teilnahme von KollegInnen aus anderen Disziplinen.

Geschlecht wird auf allen gesellschaftlichen Ebenen erzeugt, die interagieren und sich oft, aber nicht immer gegenseitig stützen. So banal diese Erkenntnis ist, so schwierig ist es, sie in der konkreten Forschung zu operationalisieren. Bei der diesjährigen Tagung wollen wir unsere Aufmerksamkeit erneut auf die Ökonomie lenken. Wie bereits die frühe Frauengeschichte zeigen konnte, arbeiteten Frauen in der Frühen Neuzeit nicht nur gemeinsam mit ihren Ehemännern, sondern waren auch eigenständig als Bäuerinnen, Handwerksmeisterinnen, Unternehmerinnen, oder Händlerinnen tätig. Sie wirtschafteten auf Bauernhöfen und in Meisterwerkstätten, in Klöstern und bei Hofe, in Bibliotheken und gelehrten Haushalten ebenso wie im Buch- und Verlagswesen oder im Instrumentenbau. Neuer Forschungen haben unsere Aufmerksamkeit zudem auch auf ihre Funktionen als Kreditgeberinnen und als Konsumentinnen gelenkt.

Obwohl das weite Feld der „Ökonomie“ von geschlechterspezifischen Markierungen durchzogen war, wissen wir heute, dass die geschlechtliche Markierung von Arbeitsfeldern und Tätigkeiten die konkreten Handlungsräume und -weisen von frühneuzeitlichen Frauen und Männern weniger stark bestimmten, als lange angenommen. Beispielsweise ist die Annahme, dass Grund und Boden, Häuser oder auch Handels- und Gewerbebetriebe und Unternehmen vor allem über die männliche Linie vererbt wurden, zu differenzieren. Wie neuere Forschungen deutlich machen, war das Erb- und Ehegüterrecht regional sehr unterschiedlich geregelt, ging in Regionen mit Gütergemeinschaft die Hälfte des ehelichen Besitzes und Vermögens, vom Geschlecht unabhängig, an den überlebenden Eheteil, die andere Hälfte zu gleichen Teilen an Töchter und Söhne. Dennoch blieben Geschlechterdifferenzen und -hierarchien im Alltag der Akteure und Akteurinnen wichtige „Platzanweiser“. Wie die verschiedenen rechtlichen und kulturellen Vorgaben im Feld des Ökonomischen mit den konkreten Erfordernissen des Alltages in Einklang gebracht wurden (oder auch kollidierten), ist nach wie vor eine offene Forschungsfrage. Generell wissen wir immer noch zu wenig darüber, wie Geschlecht in den verschiedenen Gefügen gesetzt, gebraucht, hergestellt, markiert und vollzogen worden ist.

Auf unserer 24. Tagung möchten wir deshalb Projekte diskutieren, welche Ökonomie mit der Frage nach der Bedeutung von Geschlecht verbinden. Das damit aufgemachte Feld ist weit: Es reicht von Forschungen über geschlechtsspezifische Aneignung und Nutzung von Dingen über die Produktion, Zirkulation und Akkumulation von Gütern bis hin zu klassischen Fragen danach, wie Frauen und Männer sich ihren Lebensunterhalt verdienten.

Die Tagungen des Arbeitskreises sollen methodologisch-theoretische Debatten initiieren oder jedenfalls intensivieren. Dies kann nur dann gelingen, wenn die einzelnen Beiträge maßgeblich den Fokus auf die verwendeten Methoden bzw. den theoretischen Hintergrund ihres jeweiligen Forschungsansatzes legen. Genauere Informationen zum Arbeitskreis finden Sie auf unserer Homepage: http://www.univie.ac.at/ak-geschlechtergeschichte-fnz/

PS: Wir weisen darauf hin, dass für ReferentInnen i.d. Regel keine Reise- und Tagungsgebühren übernommen werden können.

Vortragsvorschläge richten Sie bitte per E-Mail bis zum 15. Mai 2018 an die folgenden Personen:

Prof. Dr. Antje Flüchter, antje.fluechter@uni-bielefeld.de

ao. Univ. Prof. Dr. Andrea Griesebner, andrea.griesebner@univie.ac.at

Univ. Prof. Dr. Michaela Hohkamp, michaela.hohkamp@hist.uni-hannover.de