Basler Münsterschatz goes digital

Muensterschatz goes digital

Büstenreliquiar des hl. Pantalus (Bild: Digital Humanities Lab, Universität Basel)

In enger Zusammenarbeit mit dem Historischem Museum machen Forschende der Universität den Basler Münsterschatz digital verfügbar.

Die Ergebnisse dienen als Grundlage für interdisziplinäre Projekte, welche die Chancen und Möglichkeiten computergestüzter Verfahren in den Geistes- und Kulturwissenschaften ausloten; zugleich werden die Resultate der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. So wird ein neuartiger Zugang zu Objekten geschaffen, welche die Geschichte der Stadt seit 1000 Jahren begleiten.

Mit innovativen Technologien, die am Digital Humanities Lab der Universität Basel entwickelt wurden, werden die Objekte des mittelalterlichen Münsterschatzes digitalisiert. Moderne Bildaufnahmetechnologien ermöglichen Zugänge zu diesen Gold- und Silberschmiedearbeiten, die mit bisherigen Mitteln kaum möglich waren. So eröffnen etwa hochaufgelöste Aufnahmen den Blick auf Details, materiale und farbliche Strukturen, die von blossem Auge nicht zu erkennen sind. Auch künstlerische Bearbeitungsschritte oder spätere Eingriffe und Zusätze lassen sich dadurch besser untersuchen.

Die Umsetzung der Arbeiten wird von der Basler Start-Up Truvis AG unterstützt, welche aus einem Projekt der Universität Basel entstanden ist.

In einer interdisziplinären Lehrveranstaltung, die Prof. Dr. Lucas Burkart (Departement Geschichte) und PD Dr. Peter Fornaro (Digital Humanities Lab) im vergangenen Frühjahrssemester anboten, haben Studierende untersucht, wie der Einsatz digitaler Technologien im historischen Kontext sinnvoll genutzt werden kann. Hierbei standen die Forschungsfrage und die Bedeutung der Originale im Zentrum, von welcher geeignete und aussagekräftige Technologien abgeleitet wurden. Digitale Technologien stellen in den Geistes-und Kulturwissenschaften keinen Selbstzweck dar, sondern stehen wie andere in der Forschung akzeptierte Methoden im Dienst leitender Fragestellungen. Diese entscheidet letztlich darüber, welche Technologien zum Einsatz kommen. Eine derart reflektierte Verzahnung von historischen Fragestellungen und digitalen Technologien stellt einen wissenschaftlichen Mehrwert dar, der nur mit interdisziplinärer Zusammenarbeit möglich wird. Als Grundlage solcher Prozesse, müssen die Originale und Kontextinformationen als Daten aufgenommen, analysiert und ausgewertet werden. Diese Arbeit läuft aktuell im Untergeschoss des Historischen Museums.

Im Gegensatz zur herkömmlichen Forschung bietet die Arbeit mit digitalen Technologien den Vorteil, dass Ergebnisse schneller und einfacher der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. Die digitale Domäne ist nicht nur ein innovativer Forschungsraum, sondern auch ein Kommunikationsraum, in dem das interessierte Publikum am Forschungsprozess partizipieren kann.

Entsprechend beschreitet das Projekt auch neue Wege interaktiver Vermittlung, in der sich der Mehrwert einer Kooperation zwischen Universität und Museum bestätigt. Bereits im Herbst werden im Rahmen der Ausstellung «Gold und Ruhm», in der Teile des Münsterschatzes im Basler Kunstmuseum gezeigt wird, sowie der Anlässe, mit denen an die Grundsteinlegung des sogenannten Heinrichsmünsters (1019) vor 1000 Jahren erinnert wird, erste Ergebnisse im Web präsentiert.

Das Digitalisierungsprojekt zum Münsterschatz ist der Auftakt einer zukunftsorientierten engen Kooperation zwischen Universität und dem Historischen Museum Basel. Andere Bereiche aus den international bedeutenden Beständen bieten sich für vergleichbare Projekte gut an (Münzsammlung, spätmittelalterliche Tapisserien, Zunftsilber u.a.m.). Dabei entstehen nicht nur Forschungsergebnisse, sondern auch das Museum profitiert, denn die Sichtbarkeit der eigenen Bestände im Netz ist heutzutage ein wesentlicher Faktor für das nationale und internationale Standing einer Erinnerungsinstitution.

Medienberichte:

Der Basler Münsterschatz ist bald online, SRF, 20.6.2019

Wie der Basler Münsterschatz im Internet wiedervereinigt wird, Badische Zeitung, 21.6.2019