Autobiographische Praxis in der Habsburgermonarchie

 

Seit über dreissig Jahren nimmt die Erforschung autobiographischer Quellen innerhalb der österreichischen Geschichtswissenschaft an Intensität und Bedeutung zu. Unterschiedliche soziale Gruppen sind dabei in den Fokus gerückt. Ausgerechnet Autobiographien aus dem Habsburger Reich blieben dabei jedoch häufig unterbelichtet. Auf einen Mangel an entsprechendem Quellenmaterial kann dies nicht zurückgeführt werden, schliesslich sind Autobiographien und andere Selbstzeugnisse der Forschung zur k. u. k. Monarchie durchaus bekannt. Hier sind erstens sozial-, alltags-, und geschlechtergeschichtlich orientierte Arbeiten zu nennen. Die Publikationsreihe »Damit es nicht verloren geht« (1983–2010) hat in bislang 63 Bänden facettenreich Lebenswelten vor allem mittlerer und niederer Schichten der Gesellschaften dokumentiert. Abgesehen von einem Band über mittlere und niedere Beamte sind jedoch imperiale Eliten in dieser Dokumentationsreihe nicht berücksichtigt. Zweitens liegen Autobiographien als Quellen den eng verflochtenen Themenfeldern vom Nieder- und Untergang des Habsburgerreiches und der Geschichte von Nationsbildungen im Habsburgerreich und nach 1918 zugrunde. Drittens nutzt die jüngere Forschung autobiographisches Material für das neue Forschungsfeld imperialer Biographien. Zahlreiche Adlige, die als Statthalter in den Kronländern auf herausgehobenen Posten dem Reich dienten, hinterliessen autobiographisches Material. Allerdings wurde dies im Unterschied zum Zarenreich seltener publiziert. Vor diesem Hintergrund sind Selbstzeugnisse habsburgischer Eliten nicht nur nach Schreibanlässen der Autoren und ihren Subjektentwürfen, sondern zugleich nach ihrer Funktion als Akte sozialer Kommunikation zu befragen.

 

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