SemesterpOST Nr. 9, Frühlingssemester 2009

Osteuropas Religionen

Osteuropas Religionen – diesem Thema sind die Lehrveranstaltungen des Lehrstuhls für Osteuropäische und Neuere Allgemeine Geschichte im Frühjahrssemester 2009 gewidmet. Im Zentrum stehen die Interaktionen von Christentum (Katholizismus und Orthodoxie), Islam, Judentum und den Naturreligionen (etwa Schamanismus) in Geschichte und Gegenwart. Bislang hat die internationale Forschung die Religionen im osteuropäischen Grossraum, der in unserem Verständnis von der Oder bis zum Pazifik reicht, oft nur getrennt voneinander untersucht, wenngleich doch die Verwicklungen der Religionen verantwortlich sind für vielfältige Entwicklungen in Osteuropa. Das Ziel des Frühjahrssemesters wird es deshalb sein, die Bedeutung und den Einfluss der Religionen in der Geschichte der osteuropäischen Völker zu untersuchen und damit ein Forschungsdesiderat zu schliessen. Die Studentinnen und Studenten werden sich auf die Interaktionen der Religionen seit dem 18. Jahrhundert in der Ukraine, Polen und Russland konzentrieren. Daran anknüpfend organisiert der Lehrstuhl eine studentische Exkursion, die im Juni von Basel aus über Krakau, Lemberg und Moskau in das tatarische Kazan’ führt. Vor Ort werden die Studentinnen und Studenten mit Vertretern der Religionen in Kontakt treten, religiöse Orte besuchen, nach dem Stellenwert der Religionen in Geschichte und Gegenwart aber auch in der individuellen Lebenswelt der einzelnen Menschen fragen.
Konkret knüpft das Projekt an bestehenden studentischen Forschungsarbeiten an – so am "Schtetl-Projekt" Heiko Haumanns, bei dem Überlebende osteuropäischer Schtetl interviewt und deren Aussagen archiviert wurden – aber auch an den Forschungsarbeiten des Lehrstuhls (Heiko Haumann, Geschichte der Ostjuden). Auch in der Arbeitsgemeinschaft zur jüdischen und osteuropäischen Geschichte und Kultur (jeweils mittwochs 14-16 Uhr im Historischen Seminar, Raum 3) werden wir uns dem Rahmenthema "Religion und Geschichtswissenschaft" annehmen und zu diesem Bereich verschiedene Texte lesen und gemeinsam diskutieren.
Die bei der Exkursion nach Krakau, Lemberg, Moskau und Kazan’ gemachten Erfahrungen werden anschliessend dokumentiert. Dabei kommen moderne didaktische Konzepte zum Tragen: Die StudentInnen schreiben ein Exkursionstagebuch, sie stellen Orte jüdischen und muslimischen Glaubens vor und berichten davon in Essays, oder sie dokumentieren die vielfältige Verflechtungsgeschichte mittels einer Fotoreportage. Auch individuelle Erinnerungen an ihre Erlebnisse sollen kritisch reflektiert und schriftlich festgehalten werden. Es ist geplant, die studentischen nach der Rückkehr auf der Homepage des Lehrstuhls der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
 
In der letzten SemesterpOST kündigten wir die Konferenz über das Kosmosfieber in Osteuropa an, die mittlerweile erfolgreich durchgeführt wurde. Ende Januar versammelten sich dazu SpezialistInnen aus den USA, Russland, Serbien, Finnland, Kanada, Deutschland und der Schweiz, um über die Kultur des Raumfahrtfiebers, Fragen der Geheimhaltung und der Massenmobilisierung durch Kosmonauten wie Gagarin oder Tereschkowa zu diskutieren. Eine Veröffentlichung der Beiträge ist geplant.

 

Publikationen

• Carmen Scheide, die zum 1. Januar 2009 für ein Jahr an das Kulturwissenschaftliche Kolleg der Universität Konstanz geht, veröffentlichte in der Zeitschrift "Osteuropa" 58 (2008) S. 117-128 einen Beitrag mit dem Titel: Erinnerungsbrüche. Baltische Erfahrungen und Europas Gedächtnis.

• Der von Heiko Haumann, Erik Petry und Julia Richers herausgegebene Band "Orte der Erinnerung. Personen und Schauplätze in der Grenzregion Basel 1933-1945" (Christoph Merian Verlag, Basel 2008) ist inzwischen in der zweiten Auflage erschienen und erfreut sich nach wie vor reger Nachfrage. Der angekündigte Begleitfilm ist unterdessen finanziell abgesichert und in Bearbeitung.

• Bereits die dritte Auflage erlebt das Buch "Versorgt und vergessen. Ehemalige Verdingkinder erzählen" (hg. von Marco Leuenberger und Loretta Seglias, Rotpunkt Verlag, Zürich 2008). Es ist hervorgegangen aus einem Nationalfondsprojekt, das Ueli Mäder und Heiko Haumann gemeinsam betreut haben. Dabei wurden rund 300 ehemalige Verdingkinder interviewt. Einige von ihnen werden in diesem Buch vorgestellt. Heiko Haumann und Ueli Mäder haben dazu einen Aufsatz beigetragen, der auf grundsätzliche Fragen eingeht: "Erinnern und erzählen. Historischsozialwissenschaftliche Zugänge zu lebensgeschichtlichen Interviews" (S. 279-287,
300-303).

• Sehr positive Resonanz finden auch die Erinnerungen von Chasia Bornstein-Bielicka: "Mein Weg als Widerstandskämpferin" (aus dem Hebräischen von Orna Keren-Carmel, hg. von Heiko Haumann, dtv, München 2008). Es wird als ein bewegendes und berührendes Buch gewürdigt, das in der Art, wie Chasia Bornstein-Bielicka über ihren Lebensweg und ihre Untergrundtätigkeit während der NS-Zeit berichtet, einzigartig sei.

 

Personalia

Prof. Dr. Thomas Grob tritt im Frühjahrsemester 2009 seinen Posten als Institutsleiter des Slavischen Seminars an. Wir heissen ihn herzlich willkommen und wünschen ihm alles Gute. Ebenso begrüssen wir den SNF-Förderungsprofessor Prof. Dr. Markus Giger und seine Mitarbeiterinnen Kalina Sutter und Sonja Ulrich sowie die neue Polnisch-Lektorin Magdalena Czakert, die ab diesem Semester am Slavischen Seminar arbeiten werden. Einen herzlichen Willkommensgruss übermitteln wir auch Dr. Gasan Gusejnov, der im Frühjahrsemester als Gastdozent am Slavischen Seminar lehren wird.
slavistik.unibas.ch
Thomas Bürgisser, der seit August 2008 Julia Richers als Assistent am Lehrstuhl für Osteuropäische und Neuere Allgemeine Geschichte vertritt, wird noch bis Ende des Frühjahrsemesters 2009 am Lehrstuhl bleiben.

 

Freundeskreis

Im Vorstand des Freundes- und Förderkreises wird derzeit die nächste Generalversammlung vorbereitet. Sie findet am Donnerstag, 19. März 2009 um 18.30 Uhr statt – und diesmal an einem neuen Ort: In der Galerie "Maison 44", wo auch die Fotoausstellung von Judith Schifferle gezeigt wird. Damit soll der Weg von der Uni in die Basler Öffentlichkeit auch räumlich gegangen werden. Der Vorstand freut sich sehr, Gast bei einem neuen Kooperationspartner sein zu können. Frau Stoecklin, die Leiterin des Maison 44 hat am Sonntag, dem 15. März 2009, 17.00 Uhr ein musikalisches Rahmenprogramm mit einer Uraufführung von Werken des Lemberger Komponisten Zoltan Almashi organisiert. Thematisch stellt der Nachmittag einen Bezug zu den Fotos aus der Ukraine mit dem Schwerpunkt Lemberg her.
Grossen Zuspruch finden die Veranstaltungen der AG Film, die bereits mehrfach interessante Blicke auf die osteuropäischen Kinokulturen geworfen hat. Die beteiligten Personen sind Studierende am Historischen und/oder Slavischen Seminar, die nicht nur sehenswerte Filme präsentieren, sondern auch ein Rahmenprogramm anbieten.

 

Veranstaltungen

17.2.2009
Am Dienstag dem 17. Februar 2009 um 18:30 Uhr findet im Engelhofkeller am Nadelberg 4 in Basel eine kleine Semesterbeginn-Feier zur Begrüssung des neuen Institutsleiters Prof. Dr. Thomas Grob und der neuen MitarbeiterInnen des Slavischen Seminars statt. Auf einige künstlerische Einlagen dürfen wir uns ebenso freuen wie auf ein gemütliches Beisammensein bei einem kleinen Apéro im Anschluss.

27.2.2009
Am Freitag dem 27. Februar 2009 organisieren das Historisches Seminar (Prof. Dr. Heiko Haumann), das Deutsche Seminar (lic. phil. Martina Klemm) und das Slavische Seminar (Prof. Dr. Thomas Grob) einen interdisziplinären Workshop zum Thema "Kotzebue in Russland". Als der berühmte Theaterschriftsteller August von Kotzebue im Jahre 1800 mit Frau und Kindern nach Russland fuhr, um Verwandte zu besuchen, ahnte er nicht, was ihn erwarten würde: Schon an der Grenze wurde er ohne Angabe von Gründen verhaftet, von seiner Familie getrennt und nach Sibirien verbannt. Nach seiner Freilassung hielt er diese Erlebnisse schriftlich fest und veröffentlichte sie. Anhand dieses Textes und einiger Theaterstücke wollen wir folgenden Fragen nachgehen: Welche Fremdheitsbilder lassen sich finden? Wie verändert sich Kotzebues Russlandbild durch die Verbannung? Wie können literarische Texte als historische Quellen gelesen und wie kann der historische Kontext zur literaturwissenschaftlichen Textanalyse genutzt werden? Lässt sich das Verhältnis von Literatur und Geschichte beschreiben? Und was hat es mit den drei Zaren, den Kirgisen und dem Grafen Benjowsky auf sich?
Zur Vorbereitung sind Texte zum Herunterladen bereitgestellt worden.
histsem.unibas.ch/bereiche/osteuropaeische-geschichte/lehre/studientage-undworkshops/
Der Workshop findet im Seminarraum 5 des Deutschen Seminars am Nadelberg 4 in Basel
statt.

6.-28.3.2009
Die AG Film des Freundes- und Förderkreises Osteuropa organisiert im März 2009 wieder eine Filmreihe, dieses Mal zum Tschechischen Kino. Gezeigt werden:
• Donnerstag 5.3. und Freitag 6.3.: Jízda - The Ride (J. Svěrák, 1994, Road-Movie)
• Donnerstag 12.3. und Freitag 13.3.: Fimfárum Jana Wericha (2002, Animationsfilm)
• Donnerstag 19.3.: My a Matterhorn, Matterhorn a my - Wir und das Matterhorn, das Matterhorn und wir (Bernard Šafařík, 2008, Dokumentarfilm über tschechoslowakische Emigranten in der Schweiz)
• Freitag 20.3.: Rok d'ábla - Year of the Devil (Petr Zelenka, 2002, Musikalischer Film über Liedermacher Nohavica)
• Donnerstag 26.3.: Je třeba zabít Sekala - Sekal has to die (Vladimír Michálek, 1998, Neo-Noir)
• Freitag 27.3.: Obsluhoval jsem anglického krále - I served the King of England (Jiří Menzel, 2006, Komödie nach B. Hrabal) Die Vorführungen finden jeweils im Neuen Kino an der Klybeckstrasse 247 in Basel statt.
www.neueskinobasel.ch

14.-28.3.2009
Am Samstag dem 14. März 2009 um 17 Uhr findet in der Galerie "Maison 44" am Steinenring 44 in Basel die Vernissage von Judith Schifferles Ausstellung "Zugänge, Durchgänge, Übergänge" statt, in der die Künstlerin fotografische Impressionen aus der Westukraine, vor allem aus Czernowitz, vorstellt. Jörn Happel und Lubomir Matsekh Ukrayinskyy umrahmen die Eröffnungsveranstaltung mit historischen Vorträgen zum "Grenzland Ukraine". Judith Schifferle ist Mitglied des Freundes- und Förderkreises Osteuropa, die Ausstellung dauert bis am 28. März 2009.
www.maison44.ch

8.5.2009

Der alljährliche schweizerische Osteuropatag findet in diesem Jahr am 8. Mai in Basel statt. Den Eröffnungsvortrag wird Prof. Dr. Oliver Jens Schmidt (Wien) zum Thema "Historische Forschung in schwierigem Umfeld: Die Diskussionen um 'Batak' und 'Skanderbeg' als Beispiele für kontrovers ausgetragene Identitätsdebatten in Südosteuropa" halten. Der Vortrag beginnt um 14 Uhr. Der Raum wird noch bekannt gegeben.

Voraussichtlich am 27. Mai ist eine Veranstaltung des Freundes- und Förderkreises Osteuropas zusammen mit dem Lehrstuhl für Osteuropäische und Neuere Allgemeine Geschichte sowie dem Slavischen Seminar zur Krisenregion Kaukasus geplant. Der genaue Termin und Ort wird rechtzeitig bekannt gegeben.

osteuropa.unibas.ch/freundeskreis/

 

Kontakt

Lehrstuhl für Osteuropäische und Neuere Allgemeine Geschichte

Professor Dr. Heiko Haumann

Historisches Seminar

Hirschgässlein 21

4051 Basel

Tel.: +41 (0)61 295 96 66

Fax: +41 (0)61 295 96 40

osteuropa-histsem-at-unibas.ch

SekretariatTel.: +41 (0)61 295 96 66

sekretariat-histsem-at-unibas.ch

Die nächste semesterpOST erscheint im September 2009 zu Semesterbeginn.

 

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