SemesterpOST Nr. 12, Herbstsemester 2010

 

Vom Lehrstuhl zum "Leerstuhl"

Nach über 19 Jahren kontinuierlicher Tätigkeit in Basel hat sich der Inhaber des Lehrstuhls für Osteuropäische und Neuere Allgemeine Geschichte, Prof. Dr. Heiko Haumann, mit einer Abschiedsvorlesung und einem Fest am 2. Juni 2010 von der Universität verabschiedet.

Bis sein designierter Nachfolger, Prof. Dr. Frithjof Benjamin Schenk, den momentanen «Leerstuhl» am 1. Februar 2011 offiziell übernimmt, wird die Professur von ihm selbst und Prof. Dr. Rolf Wörsdörfer vertreten.


Personalia

Prof. Dr. Frithjof Benjamin Schenk

Der Universitätsrat hat Prof. Dr. Frithjof Benjamin Schenk zum Extraordinarius für Osteuropäische Geschichte gewählt. Der neue Extraordinarius für Osteuropäische Geschichte an der Philosophisch-Historischen Fakultät, Prof. Dr. Frithjof Benjamin Schenk, ist derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Ludwig MaximiliansUniversität München, wo er seit 2003 arbeitet. Er wird seine Professur in Basel als Nachfolger des emeritierten Prof. Heiko Haumann auf Anfang Februar 2011 antreten. Geboren 1970 in Stuttgart, studierte er Ost- und Südosteuropaäische sowie Neuere Geschichte und Volkswirtschaftslehre in Marburg, St. Petersburg und Berlin. 2002 promovierte er an der Freien Universität Berlin über russische Geschichtsbilder und

Konzepte kollektiver Identität vom 13. bis 20. Jahrhundert. Schenks wissenschaftliche Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet. 2006/07 war er Stipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und wird derzeit von der Volkswagen-Stiftung durch ein Dilthey-Fellowship gefördert. Kürzlich hat er sein Habilitationsprojekt über Mobilität und die Neuordnung sozialer Räume in Russland im Eisenbahnzeitalter abgeschlossen. Schenk hat sich auf die neuere und neueste Geschichte Osteuropas und Ostmitteleuropas unter besonderer Berücksichtigung kultur- und sozialhistorischer Fragestellungen spezialisiert. Zu seinen Schwerpunkten in Forschung und Lehre zählen die Geschichte von Erinnerung und Konzepten kollektiver Identität, die Raum und Kommunikationsgeschichte, die vergleichende Imperiengeschichte, die Geschichte politischer Gewalt und die Stadtgeschichte. In Basel wird er das Fach Osteuropäische Geschichte in seiner ganzen Breite mit einem Fokus auf das 19. Und 20. Jahrhundert vertreten. Schenk ist verheiratet und Vater zweier Töchter. 

PD Dr. Rolf Wörsdörfer

Im Herbstsemester 2010 wird erneut Privatdozent Dr. Rolf Wörsdörfer von der Technischen Universität Darmstadt Lehraufträge am Historischen Seminar wahrnehmen und somit den Fachbereich Osteuropa in der Vakanzzeit der Professur für Geschichte Osteuropas unterstützen.
1953 geboren, studierte Wörsdörfer in Bonn, Bochum und Florenz Geschichte, Germanistik und Italienisch. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Geschichte Südost- und Ostmitteleuropas im 19. und 20. Jahrhundert. In Basel hat er bereits 2007 und 2008 mehrere Lehraufträge durchgeführt und erfreute sich bei den Studentinnen und Studenten ausserordentlicher Beliebtheit. Im Herbstsemester bietet er in Basel eine Vorlesung zur Geschichte der Migration in Osteuropa und ein Seminar zur vergleichenden Geschichte der Nationalismen im Ostsee- und Adriaraum an. Derzeit arbeitet Wörsdörfer an zwei Projekten zu. Staatsvölkern und ethnischen Minderheiten im Konflikt totalitärer Systeme: ,Ethnizität', Nationswerdung und Entnationalisierung in Istrien, Dalmatien und Julisch Venetien (1920-1955)" sowie zu "Vom ,Westfälischen Slowenen' zum ,Gastarbeiter'. Eine vergleichende Kulturgeschichte slowenischer Deutschland-Migrationen im 19. und 20. Jahrhundert (1880-1973)".
 
Ende Juli 2010 haben wir uns von unserer bisherigen Hilfsassistentin, Anna Liesch, verabschiedet, die demnächst ihr Studium beenden wird. Zum Herbstsemester 2010 begrüssen wir David Aragai als neuen Hilfsassistenten am Lehrstuhl.
 
Dr. des. IIja Karenovics, Assistent am Slavischen Seminar, wird ab September 2010 zusätzlich mit einer halben Stelle als Geschäftsleiter des Departements Sprach- und Literaturwissenschaften arbeiten.

Ab dem Herbstsemester 2010 arbeitet am Slavischen Seminar neu als sprachwissenschaftliche Mitarbeiterin Dr. Ljiljana Reinkowski.


Arbeitsgemeinschaft zur jüdischen und osteuropäischen Geschichte und Kultur.

In diesem Semester werden wir uns neben den Projektpräsentationen Basler Nachwuchs-Wissenschaftlerlnnen den philosophischen Schriften Ernst Blochs über den Umgang mit Geschichte eingehend widmen. Ausserdem werden wir erneut in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte in Freiburg LBr. einen Studientag organisieren. Für weitere Auskünfte siehe Programm der Arbeitsgemeinschaft.


Jubiläum «550 Jahre Uni Basel»: Beteiligung am Fest der Wissenschaften, 17.19.9.2010

Das Slavische Seminar und der Lehrstuhl für Osteuropäische und Neuere Allgemeine Geschichte werden am "Fest der Wissenschaften" (Basel, Petersplatz) vom 17. bis 19. September 2010 mit drei Info-Ständen vertreten sein:

(1) Eisa Mahler
Das Slavische Seminar wird an der Flaniermeile am Petersgraben mit einer Ausstellung zu Eisa Mahler präsent sein. Die Russlandschweizerin Eisa Mahler (1882 - 1970) wurde 1938 als erste Frau an der Universität Basel zur a.o. Professorin ernannt. Eisa Mahler etablierte in Basel das Fach Slavistik und legte den Grundstein der Bibliothek des Slavischen Seminars. In ihren Publikationen widmete sie sich vor allem der russischen Folklore.

(2) "Liebe Grüsse aus Moskau."
Eine Postkarten-Reise ins Zarenreich Postkarten aus Russland, die um das Jahr 1900 gedruckt und versandt worden sind, geben tiefe Einblicke in vergangene Lebenswelten im Zarenreich. Nach dem grossen Erfolg der gleichnamigen Ausstellung in der Universitätsbibliothek Basel vom Dezember 2009 bis März 2010 wird nun ein kleiner Teil nochmals in Basel im Rahmen des Fests der Wissenschaften gezeigt. Die "Lieben Grüsse aus Moskau" lassen die Besucher das alte Russland neu entdecken. Im Zentrum stehen einmal nicht die Zentren des Reichs, sondern die Peripherie: Das Zarenreich wird von einer sibirisch-zentralasiatischen Perspektive aus erkundet, indem die ausgestellten Postkarten in Text und Bild vom Leben in Russland berichten.

Das Gros der Ausstellung wird derzeit im Tessin ausgestellt; ein Ausflug nach Astano lohnt sich nicht nur deshalb: www.cortduleon.ch/Anschliessend wird die Ausstellung wahrscheinlich weiter auf Reisen gehen.

(3) Orte der Erinnerung: Basel-Stadt und Baselland, 1933-1945
An diesem Stand können sich Besucherinnen und Besucher anhand unterschiedlicher Fallgeschichten über die facettenreiche Geschichte Basels in der Zeit des Zweiten Weltkriegs informieren. Es werden verschiedene prominente "Orte der Erinnerung" wie der Badische Bahnhof, die Basler Chemie, die Universität, das Kunstmuseum und das Sommercasino genauer beleuchtet und durch Materialien aus einem neuen Dokumentarfilm ergänzt. Am zweiten Festtag, dem 18. September 2010, finden zudem zwei Stadtführungen statt. Mit unserem Stand möchten wir an unser interaktives und offenes Erinnerungsprojekt anknüpfen und die Bevölkerung von Basel-Stadt und Baselland ermuntern, ihre Erinnerungen mit uns zu teilen. Wir suchen nicht nur Menschen, die sich an die Zeit des Zweiten Weltkriegs erinnern, sondern auch Angehörige (Eltern und Grosskinder), die Dokumente, Briefe und Fotografien von damals besitzen. Für weitere Informationen steht Julia Richers zur Verfügung (julia.richers-at-unibas.ch).

Die "Flaniermeile des Wissens", zu der unsere Zelte gehören, ist geöffnet
am Freitag, 17.09., 14-19 Uhr,
am Samstag, 18.09., 10-19 Uhr,
am Sonntag, 19.09., 11-17 Uhr.


Osteuropa-Forum Basel (OFB)

Der ehemalige "Freundes- und Förderkreis Osteuropa", der seit diesem Jahr mit einem erweiterten Vorstand unter dem Namen "Osteuropa-Forum Basel (OFB)" firmiert, hat nun auch ein Logo. Es findet sich auf der Homepage des OFB: osteuropa.unibas.ch/ofb. Ausser ausführlichen Informationen zum Verein, seinen Zielen und Aufgaben und den Möglichkeiten, sich als Mitglied zu engagieren, findet sich hier neu auch ein aktueller Veranstaltungskalender (dieser ist auch in den Veranstaltungskalender des Fachbereichs Osteuropa integriert).
Zur Unterstützung und Realisierung osteuropa-bezogener Projekte und Veranstaltungen freut sich das OFB immer über neue (aktive wie passive) Mitglieder. Auf der genannten Homepage kann man aber nicht nur Mitglied werden, sondern auch z. B. nur den Veranstaltungs-Newsletter abonnieren oder die Themen und Daten des Basler Osteuropa Stammtischs einsehen.
Im kommenden Herbst und Winter steht eine ganze Reihe interessanter OFB- Veranstaltungen bevor. Einige davon stehen im Zeichen des 100. Todestags von Lew Tolstoj:
• Für OFB-Mitglieder findet eine eigene Führung durch die Ausstellung "Tolstoj 1828-1910" im Zürcher Museum Strauhof durch den Kurator Prof. Dr. Th. Grob statt (23.10.).
• Im November widmet sich eine in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule angebotene Vortragsreihe dem Thema "Leo Tolstoj - Reformer und Lebemann, Dichter und Gewissen Russlands" (5 Vorträge).
• Die Vernissage einer Neuerscheinung in der Serie "Europa erlesen" mit Texten zur Krim eröffnet die neue Veranstaltungsreihe "Das Osteuropa-Forum im Literaturhaus Basel" (29.10.).
• Der bekannte russische Schriftsteller Michail Schischkin stellt am 08.10. seinen neuen Roman "Der Briefsteller" vor (auf Russisch und Deutsch).
• In einem Workshop mit Filmvorführung bringt uns Dr. Sabine Hänsgen Michail Romms Dokumentarfilm "Der gewöhnliche Faschismus" (UdSSR 1965) näher.
• Eine von der AG "Jüdische Geschichte und Kultur" veranstaltete Filmreihe widmet sich "Jüdischen Lebenswelten im russischen Film" (18.10., 1.11., 15.11., 29.11., 13.12., genaues Programm folgt).
• Eine weitere Filmreihe zu Partisanenfilmen aus Russland, Jugoslawien, Italien und Spanien ist für Winter oder Frühjahr 2010/11 geplant (Näheres folgt).


Neue Publikationen

Bürgisser, Thomas: "Unerwünschte Gäste". Russische Soldaten in der Schweiz 1915-1920, Zürich 2010 (=Basler Studien zur Kulturgeschichte Osteuropas, Band 19).

Haumann, Heiko; Happel, Jörn: Scheide, Carmen (Hg.): Das Jahrhundert des Gedächtnisses. Erinnern und Vergessen in der russischen und sowjetischen Geschichte im 20. Jahrhundert, St. Petersburg 2010.


Termine

Kongress: "Stabilization and Progress in the Western Balkans" (17.-19.09.2010)
Vernissage: Am Di 21.09., 19:30 findet (mit Einführung von Thomas Grob) die Vernissage der Tolstoj-Ausstellung im Museum Strauhof, Zürich statt.
Einführungsveranstaltung & Apero im Slavischen Seminar: Am Mittwoch, den 22. September findet um 18:15 im HS 119 die Einführungsveranstaltung für Studienanfängerinnen statt, ab 19:00 lädt die Fachgruppe Osteuropa zum Erstsemestrigenabend (mit Dozierenden-Vorstellung!) aka Begrüssungsapero ein.
Weitere Termine auch unter osteuropa.unibas.ch/aktuell/
 

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