"Projekt Erinnerung"

Hermann Diamanski

 

An der Abteilung Osteuropäische und Neuere Allgemeine Geschichte des Historischen Seminars handelt es sich bei der Untersuchung von „Erinnerung und Lebenswelt“ um einen interdisziplinären Forschungsschwerpunkt. Aus verschiedenen Blickrichtungen sowie an Beispielen aus unterschiedlichen Perioden und Räumen thematisieren wir den Umgang mit Geschichte. Dabei fragen wir, ausgehend von einem lebensweltlichen Ansatz, nach dem Verhältnis von individueller und kollektiver Erinnerung. In der Erinnerung wird Geschichte als die „eigene“ erfahren, sie wird Teil der eigenen Lebenswelt. Insbesondere geht es uns um Erinnerungsvorgänge. Wir streben an, das Instrumentarium zur quellenkritischen Beschäftigung mit Erinnerungen zu verbessern, um die verschiedenen Einflüsse auf das Gedächtnis, die zu jeweils neuen Verarbeitungen des Erlebten und Erfahrenen führen und in gewisser Weise Schichten der Erinnerung ausbilden, fassen zu können. Quellen sind dabei vor allem Autobiographien, mündlich erzählte lebensgeschichtliche Erinnerungen, Briefe und Tagebücher, Photographien, aber ebenso Zeugnisse der Geschichtspolitik, wie sie sich in Verlautbarungen staatlicher Organe und gesellschaftlicher Gruppen ausdrücken sowie in den Medien niederschlagen.

Weitere Informationen sind bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Lehrstuhls zu erhalten.

 

Derzeitige Forschung von Prof. Dr. Heiko Haumann

Hermann Diamanski: Ein deutsches Schicksal zwischen Auschwitz und Staatssicherheitsdienst. Perspektiven der Erinnerung

Dracula und die Vampire Osteuropas. Zur Entstehung eines Mythos

 

Weitere Arbeiten

Erinnerung und Lebenswelt. Gedächtnisgeschichte und Alltag in der Sowjetunion während und  nach dem Zweiten Weltkrieg aus kulturwissenschaftlicher Sicht

Laufzeit: 1.10.2005 – 30.9.2008
Mitarbeiterin: Carmen Scheide
Betreuer: Heiko Haumann
Finanzierung: Schweizerischer Nationalfonds  Fr. 233’788

In dem oben skizzierten Rahmen gliedert sich Carmen Scheides Projekt über Erinnerungsvorgänge und Erinnerungsmuster an den Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion zwischen 1941 und 1995 ein. Gefragt wird nach dem Verhältnis individueller Erinnerungen zu offiziellen Deutungsmustern in den verschiedenen historischen Phasen. Ebenso soll der Einfluss von „Gruppengedächtnissen“ und literarischen Verarbeitungen untersucht werden. Die Wechselbeziehungen zwischen individuellen und kollektiven Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion sowie die jeweilige Erinnerungskultur kommen auf diese Weise in das Blickfeld. Das historische Subjekt in seinen Lebenswelten steht dabei im Mittelpunkt. Die Ergebnisse werden in Beziehung gesetzt zur Geschichte der Sowjetunion, die dadurch in neuem Licht erscheint.

 

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