Geschichte Europas und seiner Grenzziehungen

Aufbau oder Abbau? Europaletten in Amsterdam (Bild: Monika Dommann)

Die Geschichte Europas und seiner Grenzziehungen bildet einen Profilierungsschwerpunkt von Lehre und Forschung am Historischen Seminar Basel. Europa wird dabei aufgefasst als ein gewachsenes heterogenes Gebilde, dessen Grenzen in unterschiedlichen historischen Situationen und Kontexten immer wieder rekonfiguriert und neu gezogen werden. Der Schweiz und ihrer Geschichte kommt dabei als Teil Europas und im Vergleich mit anderen europäischen und aussereuropäischen Gebieten besondere Beachtung zu.

 

Die Neuere und Neuste Geschichte beschäftigt sich in Basel mit den Traditionen, Entwicklungen und Problemlagen der Gegenwartsgesellschaften Europas und der Schweiz. Hierzu gehören die Entstehung von politischen Systemen und Kulturen des 19. und 20. Jahrhunderts ebenso wie die Genese, Funktion und Bedeutung ökonomischer, rechtlicher und kultureller Praktiken in der Geschichte Europas. Von Bedeutung ist auch die Frage nach der Herausbildung von Wissensformationen und materiellen Kulturen sowie nach der Entstehung und Wirkung transregionaler Sinnsysteme und sozialer Ordnungen – insbesondere der modernen Geschlechterordnung.

 

Da Europa sich nicht unabhängig von Wahrnehmungen und Deutungen des „nicht-Europäischen“ begreifen lässt, interessiert sich der Schwerpunkt nicht nur für Europa in seinem Selbstbezug, sondern gerade auch in seinen wechselvollen Versuchen zur Grenzziehung gegenüber einer „aussereuropäischen Welt“. Die Beziehungen zu anderen Gesellschaften und Kulturen sind für die europäische Geschichte ebenso wichtig wie die Definitionen der europäischen Grenzen von aussen oder die kritische Frage nach den Grundlagen einer gemeinsamen Identität. Um diese Fragen zu beantworten, wird auf das breite Repertoire der transnationalen Geschichte zurück gegriffen. Methoden des historischen Vergleichs, der Beziehungs- und Transfergeschichte spielen ebenso eine Rolle wie globalhistorische Fragestellungen.

Durch eine breite Expertise zur europäischen National- und Regionalgeschichte (neben der Schweiz auch Deutschlands, Frankreichs, Grossbritanniens sowie Süd- und Osteuropas) werden Begriff und Vorstellung von Europa differenziert und eine einseitige Fokussierung auf westeuropäische Entwicklungen verhindert. Durch intensiven Austausch und Zusammenarbeit mit dem Bereich zur Geschichte Afrikas wird ausserdem eine dezentrierende Perspektivierung der europäischen Geschichte eingenommen. Innerhalb des Vertiefungsschwerpunktes wird auch die Zusammenarbeit zwischen dem Historischen Seminar und dem Europainstitut intensiv betrieben. Damit trägt der Schwerpunkt auch zum universitären Makroschwerpunkt „kulturelle Grundlagen und Grenzen Europas“ bei.