Gewalt und Moral: Diskurse, Bilder und mediale Umbrüche um 1500

Albrecht Dürer, Apokalyptische Reiter


Leitung: Prof. Dr. Susanna Burghartz,
ProjektmitarbeiterInnen: Dr. Maike Christadler, lic.phil. Yigit Topkaya

Ein Teilprojekt des NFS ‚Medienwandel – Medienwechsel – Medienwissen’
(Gesamtleitung Prof. Dr. Christian Kiening, Uni Zürich)


Gewalt und Moral stellen um 1500 zwei Diskursfelder dar, auf denen die Reformulierung gesellschaftlicher Ordnungsvorstellungen ausgetragen wird und die eine intensive mediale Verbreitung erfahren. Ausgehend von dieser Beobachtung fragt das Projekt nach den Vermittlungsstrategien der Gewalt- und Moraldiskurse, wobei Medialität als analytische Kategorie zur Untersuchung historischer Phänome herangezogen wird. Ziel des Projektes ist, den Transfer, die Zirkulation und Transformation von Bedeutungen ebenso systematisch wie historisch konkretisierend zu analysieren. Die bildlichen und textuellen Repräsentationsstrategien von Moral und Gewalt, ihr ostentatives Zur Schau Stellen und das gleichzeitige Verdecken der medialen Qualität ihrer Darstellung, sollen dadurch auf ihre medialen Bedingungen und Brechungen hin gelesen und gedeutet werden. Die Diskurse um moralische Integrität, rechten Glauben und rechte Ordnung werden somit ebenso auf thematisch-inhaltlicher, wie auf formell-medialer Ebene analysiert. Diese „Doppelnatur“ historischer Entwicklungsprozesse verspricht einen analytischen Gewinn für die historiographische Arbeit: Fragen nach Wahrnehmung und Darstellung werden nicht mehr nur als äussere Formen behandelt, sondern können selbst als „Fakten“ der Geschichte interpretiert werden. Im weiteren gewinnt der Untersuchungsgegenstand durch die Unterscheidung in Inhalt und Medium an Komplexität, so dass der Moraldiskurs (und analog der Gewaltdiskurs) um 1500 einerseits ideen- und mentalitätsgeschichtlich als Entwicklung und Formulierung bestimmter inhaltlicher Positionen betrachtet, andererseits als Medium für Geltungs- und Machtansprüche gelesen werden kann.

Das Projekt arbeitet  an zwei unterschiedlichen Materialbeständen, die jeweils andere Dimensionen der Frage nach Medialität in der Konstitution von Geschichte sichtbar werden lassen. Maike Christadler untersucht die Interdependenz von Moralvorstellungen und Bilddiskursen im Oeuvre des Schweizer Künstlers Urs Graf und fragt nach der spezifischen Medialität von Zeichnungen. Yigit Topkaya setzt sich mit der Figur des ‚Türken’ als medialer Form von Gewalt- und Moraldispositiven zwischen 1452 und 1529 auseinander.

Tagung "Ironie und Moral. Positionen und Ambivalenzen im 15. und 16. Jahrhundert"

Basel, 28.2.-1.3.2008

Tagungsbericht von Dr. Maike Christadler

Internationaler Workshop "Repräsentation von Gewalt"

Tagungsbericht von Dr. Maike Christadler und Marcel Müller