MEMOREG – die regionale Dimension von Geschichtskultur

«Nationale Erinnerungsorte», «Mythen der Nationen», «Erfindung der Nation» - die Forschung zu Geschichtskultur und Erinnerungspolitik, so erfolgreich sie gewesen ist, konzentriert sich zumeist aufs Nationale. Andere Bezugsrahmen sind möglich: Konfession, sozioökonomische Gruppe, Europa, Lokalgemeinschaft... und Region.

‹Region› nicht subsidiär zu ‹Nation›, sondern als eine alternative, vielleicht auch konkurrierende und gegenläufige Verräumlichung sozialer und kultureller Vergemeinschaftung im Modus des Historischen zu verstehen - das ist das Anliegen der Forscherinnen und Forscher, die sich im offenen Netzwerk MEMOREG zusammenfinden.

Es geht darum, wie seit dem 19. Jahrhundert in europäischen Regionen Geschichtskulturen entwickelt haben. Manche Region wird zum (bi)nationalen Paradigma stilisiert, manche angesichts konkurrierender Narrative diskursiv verunmöglicht, ins «Abseits der Erzählung» verwiesen.

Der Blick auch auf die scheinbaren Sackgassen historischer Regionsentwürfe erlaubt das nationale Modell zu nuancieren, wo nicht in Frage zu stellen, und ermöglich einen neuen Zugang zum europäischen region-building.

Das 2010/11 vom deutschen Bundesforschungsministerium geförderte Netzwerk ist nicht institutionalisiert. Je mehr Forscher und Forscherinnen sich in ihm zusammenfinden, desto erfolgreicher lässt sich die regionale Dimension von Geschichtskultur erforschen. Willkommen!

Im September 2010 fand am Institut für Grenzregionenforschung der Süddänischen Universität in Sønderborg/Sonderburg eine Tagung statt: Im Abseits der Erzählung – Regionale Geschichtskulturen im europäischen Vergleich.