Laus perennis – 1500 Jahre Saint-Maurice-d’Agaune

Vor der Abtei St-Maurice

Lehrprojekt mit Jan Rüdiger (Basel) und Jessika Nowak (Freiburg i.Br.) Im Jahr 515, in der Aufbruchs- und Untergangsstimmung der schwindenden Römerwelt, erklang in einem neu gegründeten Kloster am Nordaufstieg zum wichtigsten Alpenpass erstmals im Westen der "immerwährende Lobgesang", Tag und Nacht im Neun-Schicht-Betrieb gesungen. Anderthalb Jahrtausende später ist Saint-Maurice-d'Agaune, im unteren Wallis zwischen Martigny und Genferseehart an einer senkrechten Felswand gelegen, das älteste noch existierende Kloster des Abendlandes. Grund genug für ein Lehrprojekt 2015! 

Denn Saint-Maurice hat wieder und wieder Geschichte gemacht. Der dauernde Lobgesang erwies sich als Erfolgsmodell im beginnenden westlichenMonastizismus. Mit der Selbstkrönung des mächtigen Lokalaristokraten und Laienabtes Rudolf I. zum König 888 wurde Saint-Maurice zudem kultisches und administratives Zentrum im neuen Königtum Burgund, das mit Kern um den Genfersee bis Basel und Besançon und die Rhône hinab Richtung Mittelmeer reichte. Anderthalb Jahrhunderte konzentrierten sich hier Handel und Macht.

Vor allem um diese Epoche ging es, als ein Dutzend Basler und ein Dutzend Freiburger StudentInnen sich am 29. Mai auf den Weg ins Wallis machten. Schon im Vorweg hatte man, teilweise in Themen-Tandems, den Kontext erarbeitet und gemeinsam einen Reader mit eigenen Beiträgen zusammengestellt. So blieb vor Ort Zeit fürs Sehen und Diskutieren.

Die Hôtellerie franciscaine bot klösterliche Kost und Logis und einen Tagungsraum für die abendliche Quellendebatte. In der Abtei sahen wir die Grablege des hl. Mauritius inmitten der Ausgrabungen, die Baukontinuität seitdem 4. Jahrhundert aufweisen, und den zu Recht gerühmten Klosterschatz inseiner neuen Präsentation. Der Aufstieg zur in den Felsen gehauenen Kapelle N-Ddu Scex und die Chormesse in der Abtei um 7:30 waren fakultativ, aber kaum einerR blieb aus.

Am zweiten Tag lasen wir die Legende des hl. Mauritius und der thebäischen Legion am Ort ihres Martyriums. Auf der mons Valeria, dem Kirchenburgberg der Bischofsstadt Sitten/Sion, lasen und diskutierten wir die Chronisten des 9.-11.Jahrhunderts, die den burgundischen Königen bis heute einen - unverdient? - schlechten Namen gaben. Und am späten Nachmittag ging es wieder gen Oberrhein.

 

 

 

Programmpause im Kreuzgang
Kapelle Notre-Dame du Scex (500 Stufen hoch)
Lektüre am Ort des Geschehens: die Passio des hl. Mauritius
Mons Valeria in Sitten