Frauen- und Geschlechtergeschichte

"Die Freiheit (Helvetia)", 1891, Arnold Böcklin (1827-1902)

Was ist Geschlechtergeschichte?

Geschlechtergeschichte befasst sich mit der Vielfalt historischer Interpretationen von Geschlechterdifferenz und ihren Implikationen für Individuen und Gesellschaft. Welche Identitäten, Positionen, Beziehungsformen und Handlungsspielräume werden zu verschiedenen Zeiten aus Geschlechtszugehörigkeit abgeleitet? Und inwiefern prägen Vorstellungen über die Geschlechterdifferenz gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische, kulturelle und ideelle Strukturen? Darüber hinaus geht es um die Geschichtlichkeit der Geschlechterdifferenz: Wie werden Unterscheidungen in Begriffen des Geschlechts historisch unterschiedlich verfasst und begründet?

Geschlechtergeschichte findet entsprechend nicht einfach da statt, wo «Geschlecht» offensichtlich thematisch ist (wie etwa in Ehe und Familie). Sie ist vielmehr eine Forschungsperspektive, die bei der Analyse verschiedenster Bereiche – Staat, Wirtschaft, Recht, Kultur etc. – in Anschlag gebracht werden kann. Dazu hat die Geschlechtergeschichte im Dialog mit anderen Disziplinen eine Vielfalt an Methoden und Theorien entwickelt und oft Ansätze erprobt, die in der Folge von der Geschichtswissenschaft allgemein aufgegriffen wurden.

 

Das Basler Profil: kritisch, transepochal, integriert

Grundlage der geschlechtergeschichtlichen Arbeit am Historischen Seminar Basel ist ein gemeinsames Verständnis der Geschlechtergeschichte, das folgende drei Aspekte zentral setzt. Als „kritische Geschichte“ hat Geschlechtergeschichte immer einen starken Gegenwartsbezug: Sie historisiert Denkweisen, die selbstverständlich erscheinen, und fragt nach der historischen Gewordenheit – und damit Veränderbarkeit – dessen, was als gegeben gilt. Zugleich ist sie ein entschieden transepochales Feld. Wandlungen wie auch Kontinuitäten lassen sich nur dann begreifen, wenn die klassischen Epochengrenzen überschritten werden. Weiter arbeiten die Basler Geschlechterhistorikerinnen und -historiker im engen Verhältnis mit benachbarten Disziplinen, sind in anderen geschichtswissenschaftlichen Feldern wie etwa der postcolonial history, der historischen Kulturwissenschaft, der intellectual history oder der Wissenschaftsgeschichte fest verankert und verfolgen so das Projekt einer integrierten Perspektive auf geschlechterhistorische Phänomene.

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