Sinergia-Projekt Doing House and Family

 

Das Sinergia-Projekt "Doing House and Family. Material Culture, Social Space and Knowledge in Transition (1700-1850)" ist gestartet! Das vom SNF mit ca. 2 Mio Franken geförderte Projekt wird von Forscherinnen und Forschern aus den Universitäten Basel, Bern, Luzern und Lausanne bearbeitet; leading house ist die Universität Bern. Prof. Dr. Claudia Opitz-Belakhal vom Departement Geschichte der Universität Basel leitet ein Teilprojekt zum Thema "Knowledge Production and Communication". (mehr)


Als einziger historisch-kulturwissenschaftlicher Projektverbund konnte sich die Gruppe um Prof. Dr. Opitz-Belakhal und ihren Berner Kollegen Prof. Dr. Joachim Eibach 2014 im harten Wettbewerb um die beliebten Sinergia-Mittel durchsetzen. Für zunächst drei Jahre sollen nun mit innovativer Methodologie und mithilfe der ausgezeichneten Quellenlage in Schweizer Archiven Fragen nach der Bedeutung von Familien-beziehungen und häuslichen Praktiken am Beginn der Moderne beantwortet werden. Neben eher klassischen Themenstellungen wie etwa die nach den Ursachen und Verläufen von häuslichen und Nachbarschaftskonflikten im "langen 18. Jahrhundert" und deren Wandel werden neu auch Fragen nach der materiellen und der Fest-Kultur und ihrer (ggf. unterschiedlichen) Bedeutung für Familien- und Nachbarschafts-beziehungen in Stadt und Land bearbeitet. Letztlich gibt das Projekt damit auch neue Antworten auf die altbekannte Frage nach dem Auseinandertreten von Privatsphäre und Öffentlichkeit in den modernen Demokratien und Marktgesellschaften.


Im Basler Teilprojekt "Knowledge Production and Communication" geht es um Wissensproduktion, -akkumulation und -zirkulation innerhalb von Schweizer Bürgerfamilien um 1800. Die Themen und Fragestellungen der insgesamt drei Teilprojekte reichen dabei von älteren und - dank der Aufklärung und ihrer intensiven Beschäftigung mit Erziehung und Pädagogik - neuen Praktiken der Kindererziehung  (Bearb.: Elise Voerkel M.A.) über die gemeinsame "Herstellung" und Sammlung von Wissen über die Natur in Akademikerhaushalten (am Beispiel des prominenten Schweizer Gelehrten Johann Jakob Scheuchzer (1672-1733); Bearb.: lic.phil. Dunja Bulinsky) bis hin zu neuen Umgangsweisen mit der Pflanzenwelt in städtischen Haushalten - etwa das Botanisieren als neu entstehendes bürgerliches Hobby oder die Pflanzenzucht im Haus ("Zimmerpflanzen") als Ausdruck spezifisch bürgerlicher Naturaneignung  und (neue) Grundlage familiärer  Häuslichkeit (Bearb.: Dr. Sophie Ruppel).


Insgesamt bietet das Projekt 8 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern die Gelegenheit, eine Dissertation oder Habilitation in einem für die frühe Neuzeit zentralen Themenbereich anzufertigen und dabei nicht nur mit internationalen Expertinnen und Experten aus Sozial-, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte in Kontakt zu treten, sondern sich auch mit anderen jungen Forschenden laufend über methodische und theoretische Fragen auszutauschen. Zudem stärkt das Verbundprojekt die Zusammenarbeit zwischen den historischen Instituten der beteiligten Universitäten und führt zu einer Intensivierung der Forschung über die für die Schweizer Geschichte so wesentliche Epoche der frühen Neuzeit.
Weitere Infos