Isaak-Iselin-Edition
Der Ratsschreiber und Schriftsteller Isaak Iselin (1728–1782) ist eine der herausragenden Basler Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts, der heute unter anderem als Gründer der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG) bekannt ist. Er zählt zu den bedeutendsten Vertretern der Schweizer Aufklärung und der schweizerischen Reformbewegung. Ab den 1750er Jahren trat Iselin als Autor hervor, dem daran gelegen war, die zentralen Ideen der Aufklärung, insbesondere den Fortschrittsgedanken, in stetiger Auseinandersetzung mit den Thesen Jean-Jacques Rousseaus umfassend zu begründen und zu propagieren. Dabei entstand ein reichhaltiges Œuvre, dessen Bandbreite von politischen Reformschriften über Darlegungen der physiokratischen Lehre und pädagogischen Entwürfen zum geschichtsphilosophischen Versuch einer Geschichte der Menschheit reicht. Mit seinen vielseitigen Schriften, als Herausgeber der renommierten Zeitschrift Ephemeriden der Menschheit und durch seine weitgespannten Kontakte wurde Iselin zu einem wichtigen Ideengeber und Vermittler im Netzwerk der Aufklärungsbewegung und zu einem der seinerzeit bekanntesten Autoren der Spätaufklärung im deutschsprachigen Raum.
Als Wegbereiter eines republikanischen Patriotismus und als Pionier eines neuen Typus von Geschichtsphilosophie ist Iselin in jüngerer Zeit wieder verstärkt in den Mittelpunkt eines interdisziplinär ausgerichteten Forschungsinteresses gerückt (vgl. Sommer 2002, Kapossy 2006, Gisi/Rother 2011). Umso mehr erstaunt es, dass die Werke Iselins, deren Bedeutung für die deutschsprachige Spätaufklärung nicht zu überschätzen ist, in keiner modernen Ausgabe greifbar sind. Diesem Mangel will das Editionsprojekt abhelfen, indem sie die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Iselin auf eine verlässliche editorische Grundlage stellt. Ein vierköpfiges Team (Dr. Florian Gelzer, Dr. Carmen Götz, Dr. Marcel Naas, Dr. des. Sundar Henny) arbeitet daran, die wichtigsten Werke Iselins in einer wissenschaftlich kommentierten Leseausgabe wieder zugänglich zu machen. Dabei wird keine lückenlose Dokumentation angestrebt, sondern der Akzent auf die Hauptschriften gelegt. Es sind (zunächst) vier thematisch gegliederte Bände geplant:
Band 1: Schriften zur Politik (Philosophische und Patriotische Träume eines Menschenfreundes, Philosophische und Politische Versuche u.a.)
Band 2: Schriften zur Ökonomie (Plutus, oder von den Reichthümern, Palämon oder von der Üppigkeit u.a.)
Band 3: Schriften zur Pädagogik (Einige Briefe über das Basedowsche Elementarwerk, Versuch eines Bürgers über die Verbesserung der öffentlichen Erziehung in einer republikanischen Handelsstadt u.a.)
Band 4: Schriften zur Geschichte (Über die Geschichte der Menschheit u.a.)
Jeder Band enthält einen Kommentarteil, der die notwendigen Informationen zur Entstehungsgeschichte und zum Verständnis der Texte liefert, eine gründliche Einführung in die Thematik des jeweiligen Bandes sowie ein umfassendes Sach- und Personenregister. Für den Kommentar wird der im Staatsarchiv Basel und in der Universitätsbibliothek Basel aufbewahrte Nachlass Iselins berücksichtigt.
Das Projekt wird unterstützt durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF), die Freiwillige Akademische Gesellschaft (FAG) und die Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG).
Ein dreizehnköpfiges Kuratorium unter der Leitung von Prof. Dr. Kaspar von Greyerz begleitet das Projekt.
Literatur
- Sigrid-Ursula Follmann: Gesellschaftsbild, Bildung und Geschlechterordnung bei Isaak Iselin in der Spätaufklärung. Münster 2002.
- Andreas Urs Sommer: Geschichte als Trost. Isaak Iselins Geschichtsphilosophie. Basel 2002.
- Béla Kapossy: Iselin contra Rousseau. Sociable Patriotism and the History of Mankind (Schwabe Philosophica, 9). Basel 2006.
- Lucas Marco Gisi; Wolfgang Rother (Hg.): Isaak Iselin und die Geschichtsphilosophie der europäischen Aufklärung (Studien zur Geschichte der Wissenschaften in Basel. NF, 6). Basel 2011.


